Urlaub in Ulm: Kopfkarussell mit Günther Lainer

Kabarettist Günther Lainer reiste mit Kopfweh und merkte, wo überall Kopf drinnen steckt.
Günther Lainer
Old houses in the famous fishing district, Ulm, Germany

Ich fuhr in der Karwoche – nicht mit dem Auto, sondern mit dem Zug (schließlich handelt es sich ja um die Karwoche und nicht um die Car-Woche) – nach Ulm auf Urlaub. Sie werden sich jetzt fragen: Warum ausgerechnet Ulm? 

Gute Frage.  Ich stellte sie mir auch. Mehrmals. Mein Kopf übrigens auch. Der war sowieso das Hauptthema dieser Reise. Denn ich fuhr mit Kopfschmerzen los. Und wer mit Kopfschmerzen reist, merkt plötzlich: Der Kopf ist überall. Wirklich überall. 

Kopfbahnhof

In München gab es eine längere Pause, weil der Zug im Kopfbahnhof eine Kehrtwende machte. Ich dachte mir: Wann mache ich eigentlich meine persönliche Umkehr? Besonders zu Ostern würde das thematisch gut passen. Der Kopf würde manchmal schon sehr vernünftig sein und manche Lebensgewohnheiten anders machen, aber die Gewohnheit ist ein Bauchgefühl.

In Ulm angekommen ging ich Richtung Hotel über eine Einkaufsstraße mit Kopfsteinpflaster. Der Kopf verfolgte mich also buchstäblich bis vor die Hoteltür. Kurz vor dem Ziel sah ich das Geschäft „Koffer-Kopf“. Spätestens da wusste ich: Mein Kopf ist mir vorausgereist. Und haben Sie gewusst, dass in dieser Stadt Albert Einstein, einer der schlauesten Köpfe der Welt, geboren wurde?

Kopfkino 

Im Hotelzimmer folgte mein Ritual: Fernseher einschalten. Mein Kopfkino lief parallel dazu weiter. Besonders angenehm war der Kopfpolster. So bequem, dass ich kurz überlegte, ihn als Souvenir mitzunehmen. 

Am Abend ging ich essen, es gab einen Kopfsalat zur Hauptspeise. Während des Abendessens fiel mir eine oberösterreichische Tradition ein: Das Sauschädlessen. Und ein Sprichwort: „Der Fisch fängt beim Kopf zum Stinken an.“ 

Ich machte noch einen Abendspaziergang mit Kopfbedeckung und Schal (ich wollte nicht schon wieder eine Kehlkopfentzündung riskieren) und kam bei einem Friseur vorbei – also jemandem, der beruflich ständig mit Köpfen zu tun hat. Am Abend sah ich ein Fußballspiel, welches durch einen Kopfball entschieden wurde. 

Kurz vor Mitternacht sah ich noch die Sendung „Tagesthemen“ und ich dachte mir, wie kopflos manche Weltherrscher regieren, nur weil sie die Macht haben und über andere Köpfe hinweg Entscheidungen treffen, die sehr bedenklich sind. In meinem Kopf drehte sich weiterhin alles um das Wort „Kopf“. 

Kopfing

Da fiel mir der Ort Kopfing im Innviertel ein, mit seinem Baumkronenweg. Sehr empfehlenswert – für Oberösterreicher ein Tagesausflug, für Wiener fast schon ein Wochenendausflug. Dort spaziert man auf einer Holzbrücke in den Baumkronen, also praktisch auf Kopfhöhe der Bäume, und kann die Natur rundherum beobachten.

Da meldete sich mein Kopf wieder und dachte sich: „Die Natur hat es sehr schön, denn sie ist immer draußen im Freien.“ Sie denken jetzt wahrscheinlich: Das hat er sich alles nur ausgedacht. Eine Geschichte, die sich in seinem Kopf abgespielt hat. Zugegeben – es klingt ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Aber ich verspreche Ihnen: Es fiel mir alles zu. Oder war es doch kein Zufall? Oder war es schon wieder mein Kopf?

Kommentare