Eine lächelnde Frau mit Sonnenbrille, dargestellt in einem Aquarell-Stil.

Polly Adlers "Chaos de luxe": Mitten im Realitäts-Burnout

Auf Eskapismus gebürstet

So. Es ist so weit. Ich bin im totalen Baby-Feed auf Instagram. Kaum watschelt so ein halber Mensch über den Screen und streckt seine Patschhändchen gen Bezugsperson aus, sind meine sentimentalen Schleusen offen. Dazwischen Rezept-Pornos. Franzosen oder Italiener mit dichtem Haarwuchs und dreckigem Grinsen, die das ultimative Bœuf bourguignon  oder die echte Carbonara (Schlagobers-Beigabe wird strafrechtlich belangt) zügig zaubern.

Noch schrecke ich vor drolligen Dackel-Clips zurück. Der Dackel scheint ja der neue Mops zu sein. In jedem Fall bin ich voll auf Eskapismus gebürstet. Meine Psyche ist so durcheinandergerüttelt vom täglichen Nachrichtenkonsum, dass ich in einer William-Morris-Tapete wohnen möchte: Vögelchen, pazifistische Schmetterlinge und knospende Rosen, so weit das Auge reicht.

Kürzlich träumte ich von der Trump-Barbie Karoline Leavitt, besser gesagt von ihrem verkniffenen Kussmündchen, das drei Meter breit über mir schwebte und ständig wiederholte: "Miss Piggy, auch dich werden wir noch klein kriegen." Jeff Bezos sitzt mit seiner Botox-Bella in der Dior-Show und hat eben 30.000 Leute entlassen. Kurzum: Ich habe das volle Realitäts-Burnout.

Die Wetterlage, die so viel gute Laune wie ein Georg-Trakl-Gedicht macht, trägt den Rest zu meiner Stimmungsapokalypse bei. Stellt sich die Frage: Wie komme ich da wieder raus? Die Antwort ist simpel: Schöne Sachen machen. Von Massagen bis zu Museen. Nur wohlwollende Menschen an sich ran lassen. Barrikaden gegen die Mühsamen aufstellen. Und vor allem aufhören zu jammern. Und sich jeden Tag mehrfach vorsagen, was für ein unfassbar privilegiertes Leben man doch hat. Ich klinge wie ein Glückskeks, ich weiß.

Polly Adler

Über Polly Adler

Polly Adler steht als Chaos-de-luxe-Kolumnistin auf dem satirischen Beobachtungsposten von Alltags-Irrsinn, Beziehungs-Herausforderungen und Brutpflege. Hinter dem Pseudonym versteckt sich die Wiener Journalistin Angelika Hager. Aus Polly Adlers verrückter Welt entstanden inzwischen acht Bücher, eine TV-Serie und diverse Bühnen-Shows, aktuell „Knietief im Glamour”: die Polly-Adler-Show im Rabenhof. Jeden Sonntag um 11 Uhr.

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