Eine lächelnde Frau mit Sonnenbrille, dargestellt in einem Aquarell-Stil.

Polly Adlers "Chaos de luxe"

Hat irgendjemand einen heterosexuellen Freund für mich über?

Hat irgendjemand einen heterosexuellen Freund für mich über? Im Ernst jetzt: Mit Frauenfreundschaften bin ich gesegnet, aber meine männlichen Herzibinkis sind alle schwul. Kein Cis-Normativer in Sicht, der mir Tauchgänge in die männliche Psyche anbieten könnte. Die großen, alten Männer, die mein Leben mit Schmäh und Unfug bereicherten, sind leider alle schon abgetreten. Offensichtlich ist regelmäßiger Alkoholkonsum doch nicht so vitaminhaltig, wie wir erhofft hatten. In der Regel sind die Verzauberten ja mehr Mädchen als man selbst. Und mindestens so lustig.

Vielleicht bin ich einfach nur eine solche Klischee-Kerstin, gebrainwashed von den Hollywood-Komödien, wo jede von Dating-Fatigue erschlaffte Enddreißigerin von ihrem textilmäßig rosalastigen GBF (gay best friend) an die Lebensmut-Zapfsäule gehängt wird? Aber meine GBFs verstehen mich einfach viel besser, finden Ottolenghi inzwischen "so yesterday", sind immer auf dem Letztstand, was Serien und feinnervige Literatur betrifft und würden outfitmäßig nie zu lautem Versace greifen. Dries Van Noten eher oder stilles Kaschmir.

Sie sind auch optisch bestens für Plus-One-Ereignisse geeignet, denn sie haben in der Muckibude ihres Vertrauens meist einen Zweitwohnsitz. Eiserne Körperdisziplin, da könnte man sich Scheibchen absäbeln – wenn man wollte. Wenn sie Dinnerpartys schmeißen, sind ihre Tische so gedeckt, dass jederzeit ein Fototeam von Casa Vogue einfallen könnte. Und das flotte Zaubern einer Tarte Tatin ist für sie nichts als eine Fingerübung. Also: Hat irgendjemand einen Hetero-Freund über, der alle Dinge gern tut, die Schwule auch so machen? Nichts wie her mit ihm! Aber Achtung: Ich könnte mich verlieben.

Polly Adler

Über Polly Adler

Polly Adler steht als Chaos-de-luxe-Kolumnistin auf dem satirischen Beobachtungsposten von Alltags-Irrsinn, Beziehungs-Herausforderungen und Brutpflege. Hinter dem Pseudonym versteckt sich die Wiener Journalistin Angelika Hager. Aus Polly Adlers verrückter Welt entstanden inzwischen acht Bücher, eine TV-Serie und diverse Bühnen-Shows im Wiener Rabenhoftheater, die nächste Premiere ist für den Herbst 2026 geplant. Kürzlich erschien der erste Polly-Adler-Krimi „Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade” bei Ueberreuter.

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