Polly Adlers "Chaos de luxe": Sind nur Idioten glücklich?
Warum Zufriedenheit die verlässlichere Karte ist.
Kürzlich fragte mich jemand: "Bist du eigentlich glücklich?" Ich hatte vor Jahren einem Buch den Titel "Nur Idioten sind glücklich" gegeben. Ich schüttelte den Kopf: "Bloß nicht. Seelische Großwetterlage mit Ausreißern: Zufriedenheit." Tatsächlich war ich meist nur in den Zuständen geistiger Verwirrung glücklich gewesen, also im Modus der Verliebtheit.
Was hat man sich nicht zum Affen gemacht für Herren, die später die jährliche Wiederkehr meines Geburtstags in Erstaunen versetzte. Bilanz: Ein blechernes Händchen bei der Partnerwahl. Aber natürlich: Überflutung von Glückswogen in jenem Moment, als man mir den frisch geschlüpften Fortpflanz auf den Bauch gelegt hatte. Heute ist der Ursprung meines unvorsichtigen Glücks 32, trägt ein Zungenpiercing, Tattoos, die Pizza oder Raupen darstellen, und rattert Befindlichkeitspalaver à la "Du triggerst mein transgenerationales Trauma mit deiner emotional Avoidance!"
Ich bin übrigens gerne zufrieden: Zufriedenheit ist die langweilige, verlässliche Schwester des Glücks. Sollte man das Phänomen Glück personalisieren, dann wäre das eine verführerische Exzentrikerin, die einem das Gefühl vermittelt, nur auf der Durchreise zu sein, und von der man besser keinen Gebrauchtwagen kauft. Das Gefühl der Zufriedenheit stellt sich auch durch die Absenz der FOMO (Fear of missing out) ein, schließlich ist man schon ein, zwei Mal um sieben Uhr morgens am Naschmarkt auf ein Gulasch gegangen, während einem die Stöckelschuhe vom Vorabend um die Ohren baumelten, und hat auf dem Unfugs-Tacho einige Kilometer absolviert. Man kann also seiner Versäumnisangst fröhlich entgegenschmettern: "Been there, done that, got the T-Shirt!" Das macht einen fast wieder glücklich.
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