Polly Adlers "Chaos de luxe": "Wollen wir was machen?"
Wenn das Kontaktfallbeil hinunter schnellt
Drama, Baby. Sie umklammerte ihre Matcha-Kokos-Brühe so fest wie einst einen Gin’n’Tonic. Man kann sich einfühlen: Nach elf Jahren Beziehung war das Kontaktfallbeil hinuntergeschnellt. Der Mann hatte meine Freundin offensichtlich auf allen Möglichkeiten blockiert.
Und nicht nur das: Der fahnenflüchtige Feigling hatte auch eine neue Telefonnummer. Denn die Detektiv-App, die meine Trümmerfreundin zur Kontrolle seines Verbleibs auf ihrem Gerät installiert hatte, war ebenso mausetot.
Wie eine überambitionierte "Tatort"-Kommissarin stellte ich die Motivfrage: "Hast du ihm ein Hochzeitsultimatum gestellt? Ihn zu oft gefragt: Woran denkst du gerade?" Sie schüttelte den Kopf: "Nichts von alldem. Ich hab’ auch den Kinderwunsch gekillt und nicht mehr zu weinen begonnen, wenn ich eine Macchiato-Mum mit einem Bugaboo und dieser Platz-da-ich-habe-Leben-geschenkt-Arroganz vorbeistolzieren sah. Ich habe alles richtig gemacht."
Ok, aber ... das behielt ich für mich: Dick aufgetragene Anstrengung, keinerlei Irritationen hervorzurufen, setzt andere unter noch mehr Stress. Und die Bugaboo-Phobikerin konnte prinzipiell ordentlich anstrengend sein.
Dauernd wollte sie auch von mir wissen "Wollen wir was machen?" Und mir geht es da ein bisschen wie den Loriot-Herren, die angesichts solcher Zeit-mit-Inhalt-füllen-Terroristinnen nur seufzen: "Ich will einfach nur sitzen." Und Lesen. Und mit Gänseblümchen in den Dialog treten. Und mir eine koreanische Gesichtsmaske überziehen.
Und dachte an Miranda aus "Sex and the City", in der Phase, in der die Serie noch unpeinlich war. Sie sagte zu Carrie in der 170.000. Mr.-Big-Krise: "Maybe he is just not that into you." Aber mit der Meldung warte ich noch ein Tickchen.
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