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Zwischenrufe

Ist es gut, dass der ORF beim Song Contest den Liveton, also auch Proteste, ungefiltert sendet?
Gert Korentschnig

Die Mutter aller Störaktionen bei weltweit live übertragenen Konzerten ist fast vergessen: 1982 enthüllten zwei Flitzer beim Neujahrskonzert zuerst sich selbst und dann ein Transparent, auf dem zu lesen war: „Menschenrechte für Schwule“. Im Fernsehen war davon nichts zu sehen, weil zu diesem Zeitpunkt eine Ballett-Zuspielung lief. Pech gehabt.

Mittlerweile wissen Protestierer besser, was wann auf Sendung ist – und wenn es nicht im TV gezeigt wird, dann auf Social Media. So kam es beim Auftritt des israelischen Teilnehmers im Halbfinale des Song Contests zu ein paar Zwischenrufen, man konnte, wenn auch schlecht, die Worte „Stop Genocide“ hören. The show must go on, der Sänger blieb unbeeindruckt, auch davon, dass vier Personen der Halle verwiesen wurden. Was uns zur Frage führt, ob es richtig ist, dass der ORF den Liveton ungefiltert sendet. Ihr Kolumnist findet: ja. Bei Fußballspielen gibt es auch regelmäßig heikle Gesänge. Und wenn Israel teilnimmt (Österreich war von Anfang an gegen einen Ausschluss), wäre die völlige Geräusch-Unterdrückung von Protesten nun erst recht Zensur.

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