Deeskalation
Wir leben in einer Zeit, in der alles immer lauter wird. Verkehrsgeräusche (besonders beliebt: das röhrende Motorrad), U-Bahn-Durchsagen („Sie verzögern die Abfahrt“), Handytöne und -gespräche – der Lärm eskaliert allenthalben.
„Eskaliert“ ist auch so ein Begriff der Zeit. Alles eskaliert, nicht nur der Streit, auch der Benzinpreis, die Hitze sowieso, das Orchester eskaliert im Konzert, der Stocker-Sager ff. eskaliert, und das Netz ist Haupteskalateur (zur Zeit grad über die jüngst so feste Trump-Haarwelle: Meerschweinchentoupet oder echt?).
Ich eskaliere auch. Bei der Beschallung im Supermarkt. Der Flaschenpfandautomat druckt den Pfandbon und macht dülidülü dazu. Wozu? Wenn der Apparat außer Betrieb und das „Personal informiert“ ist, macht er dadudadu döö, laut in Endlosschleife. Ist die Brotbackmaschine fertig, ertönt ein Signalhorn oder die aufsteigende Tonfolge trötrötröö. „Liebe Kunden, wir öffnen Kasse zwei für sie“ (ich steh’ erst am Eingang, na und?) wechselt mit „ein Mitarbeiter zur Flaschenrückgabe bitte“; die macht nämlich grad dadudadu döö.
Deeskalation auch des Lärms, das wär' fein.
andreas.schwarz@kurier.at
Kommentare