Du!
Früher waren die Menschen grundsätzlich per Sie. (Zumindest in der Stadt, auf dem Land galten immer schon andere Sitten.) Wer mit jemandem per Du sein wollte, musste ihm oder ihr das Du-Wort anbieten oder darauf warten, dass einem das Du-Wort angeboten wird.
Es gab da ganz genaue Regeln, im Elmayer kann man sie wahrscheinlich heute noch nachlesen, aber inzwischen ist das totes Recht: Es wird kaum noch gesiezt. In der Werbung hat sich das Ikea-Du längst durchgesetzt, und auch im Geschäftsleben gehört es zum guten Ton. Ein Unternehmen, das nicht als hoffnungslos rückständig gelten will, schreibt auch Vorstandsposten in der Du-Form aus.
Der Spiegel hat der „Tyrannei des Duzens“ kürzlich eine Titelgeschichte gewidmet. Deren Autor kommt zu dem Schluss, dass sich Du und Sie umgedreht haben. Bürger der Mittelschicht etwa hätten Handwerker früher geduzt; heute gehörten Handwerker zu den wenigen, die noch gesiezt werden.
Sie ist das neue Du. Lieber Leser, liebe Leserin, darf ich dir das Sie-Wort anbieten?
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