Der Spiegel
Jüngst bei der Friseuse des Vertrauens: Schräg vis-à-vis sitzt ein junger Mann, grad mal 22 vielleicht. Unendlich verliebt ins eigene Spiegelbild. Fescher Zehchen. Selbstvergessen sich durchs frisch geschnittene, flockig geföhnte schwarze Haar streichend. Grimassen schneidend, in Pose. Spieglein, Spieglein an der Wand ... – keine Welt rundum, minutenlang, als poste er für ein Selfie.
Man selbst blickt in den Spiegel vor sich und denkt erstmals: der eigene Großvater. Ringe unter den Augen, fahle Haut. Alle erzählen immer, wie ungewöhnlich jung man noch aussehe (danke, eh nett!). Aber der Fakt lautet: Opa. Nicht Papa, in dem hat man sich schon öfters auf Fotos wieder erkannt. Sondern das Gesicht aus einer Generation davor. Als der so alt war, vor 50 Jahren, wie man selbst jetzt ist.
Das ist kein Klagen. Heute ist 40 ja das neue 30, 50 ist 40 und 66 (jetzt ist’s raus und stimmt seit heute auch nicht mehr) das neue 50. So heißt’s doch, oder? Und da ist was dran, in allen Belangen. Der Glaube dran hält jung. Wer braucht schon einen Spiegel?
Aber wenn dann plötzlich einer da ist ...
andreas.schwarz@kurier.at
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