Kolumnen
03/20/2019

Erinnerungen an die Heim-EURO

"Tagebuch": "Fans" aus Osteuropa neigen häufig zu Wildwest-Aktionen. Vor allem, wenn es alte Rechnungen zu begleichen gilt.

von Wolfgang Winheim

Im Budget-Ranking liegen Rapid und Austria hinter Salzburg auf Platz zwei und drei, in der Tabelle nur auf acht und fünf. Unterm Strich ist Rapid zum Qualifikationsgruppen-Starter degradiert und zum gegenwärtigen Stand erstmals in einem Halbjahr kein Wiener Derby fix. So gesehen bleiben vorerst der Polizei teure Sicherheitsmaßnahmen erspart. Solche sind ohnehin schon anlässlich des Polen-Spiels notwendig.

"Fans" aus Osteuropa neigen häufig zu Wildwest-Aktionen. Vor allem, wenn es alte Rechnungen zu begleichen gilt. Wie das 2008 der Fall war, als sich Hooligans bei der EM in Wien für Vorfälle in Warschau rächen wollten, wo Wiener beim Europa-League-Match Legia – Austria provoziert hatten mit dem Transparent „Ihr habt unsere Autos, wir Eure Frauen“. In Wien stellte die Polizei dann ihren Mann.

Vorgewarnt von den tschechischen Behörden wurden damals drei Busse am Wiener Stadtrand gestoppt und deren polnische Insassen entwaffnet. Sie trugen Schlagstöcke, Messer und Pyromaterial bei sich und wollten schon vor dem Match außerhalb des Stadions zündeln.

Die – geheim gebliebene – Polizeiaktion bewahrte die EM vor einem folgenschweren Krawall. Weil 180 Gewaltbereite in der Stammersdorfer Kaserne bis Spielschluss festgehalten und danach, eskortiert von der Polizei, zur Grenze zurückgeschickt wurden, an der schon tschechische Uniformierte warteten.

Nicht einer der 180 Schläger hatte den EM-Krimi Österreich – Polen miterleben dürfen, hatte gesehen wie Österreich dank Ivica Vastic in letzter Minute zum 1:1 ausglich. Dem Elfer war ein Foul von Stürmer Robert Lewandowski vorausgegangen, der als Teamjüngster im eigenen Strafraum auszuhelfen hatte.

Elf Jahre später drohen der zum Weltklasse-Torjäger gereifte Lewandowski plus zwei hochkarätige Italien-Legionäre im österreichischen Strafraum zum großen Gefahrenherd zu werden, während im ÖFB-Team (wie schon 2008) Stürmerflaute herrscht. Feldspieler von Rapid und Austria schafften es erst gar nicht in Franco Fodas Kader. Echte Wiener gehen unter.