Klaus Eckel über Ausreden: Die Welt retten? Schon, aber ...
Die Chinesen sollen einmal damit anfangen!“ war 2026 zum Thema Klimaschutz einer der meistformulierten Sätze. Ich fürchte, auf Pekinger Stammtischen hört man oft Folgendes: „奥地利人应该开始这样做.“
Das heißt: „Die Österreicher sollen einmal damit anfangen!“
Jeder wäre bereit, die Welt zu retten, sobald alle anderen sie fertig gerettet haben. Die Brasilianer sollen den Regenwald stehen lassen, die Inder auf Kohle verzichten, die Amerikaner kleinere Kühlschränke kaufen und wir Österreicher würden im Gegenzug sogar überlegen, im Dezember das Heizschwammerl nur noch auf Stufe zwei zu betreiben.
Hände in Unschuld waschen
Alle versuchen derzeit, ihre Hände in Unschuld zu waschen. Nur besteht die Gefahr, dass das reinigende Wasser hitzebedingt bald verdampft ist. Dieses Verhalten erinnert mich an meine Schulzeit.
Jedes Mal, wenn ich mit einem Fünfer auf eine Schularbeit vor meine Eltern trat, fügte ich die Rechtfertigung hinzu: „Der Patrick, der Ralf und der Martin haben auch einen Fetzen! Mit noch weniger Punkten!“ Bedauerlicherweise veränderte dieses Argument weder den Gesichtsausdruck meiner Eltern noch mein Zeugnis. Der Fachbegriff dafür lautet Whataboutism und ist tief in uns Menschen verankert. Vermutlich sagte bereits Adam zu Eva: „Wegen dir müss ma jetzt das Paradies verlassen!“ Darauf Eva: „Schuld war die Schlange, die meinte: an apple a day keeps the doctor away.“
Seit Anbeginn der Menschheit gibt es eine riesige heiße Kartoffel namens „Verantwortung“, die wir uns unentwegt zuwerfen. Ein Wunder, dass Hot-Potato-Passing noch keine olympische Disziplin ist. In Klimafragen wirkt es absurd, vor dem Kauf eines Bio-Radieschens die Weltrettungsbilanz durchzurechnen. Haltung ist kein Tauschgeschäft. Doch ich fürchte, um uns weltweit vor der Klimaschuld zu bewahren, warten wir lieber auf Außerirdische. Damit wir uns dann weltweit auf folgenden Satz einigen: „Zuerst sollen einmal die damit anfangen, Recycling-Ufos aus Pfandflaschen mit Pedalantrieb zu fliegen.“
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