Suchen Weltretter: Es ist Zeit für ein Jesus-Comeback
Das wäre doch was, wenn ein Jesus wieder einmal auf unserem Planeten vorbeischauen würde. Über 2.000 Jahre sind seit dem letzten Erlöserbesuch auf Tante Erde vergangen. In dieser Zeit haben wir die Dampfmaschine erfunden, Penicillin und sogar Bananen-Tupperware. Vermutlich herrscht derzeit im Himmel bei Messias-Anwärtern ein akuter Fachkräftemangel. Der Trend geht in Richtung Work-Life-Balance-Erlöser, mit Ein-Tage-Woche (Sonntag), Bergpredigt aus dem Homeoffice, und wenn er übers Wasser geht, dann nur über das eines Jacuzzis.
Doch es wäre an der Zeit, dass uns ein neuer Heiland mit Christstollen und Nerventee unterm Arm zumindest einen Höflichkeitsbesuch abstattet. Der aktuelle Weltzustand würde Jesus 2.0 zum Staunen bringen. Da kämen seine Superkräfte gerade recht. Ganz nach dem Motto: Wunder statt Wundern. Er müsste nicht mehr Wasser in Wein verwandeln (da ist derzeit genug da), sondern im Internet jedes Hass-Posting in ein Rezept für Omas Marillenknödel. Weitere Verwandlungsvorschläge: CO2 in Verstand, Likes in Umarmungen, Meinung in Ahnung und Panzer in Hüpfburgen. Demokratie-Blinde könnte er sehend machen, und nicht zu vergessen: die flächendeckende Wohnungsvermehrung. Dann noch die Vertreibung von Lobbyisten aus Brüssel und die große Handyheilung. Der Satan erscheint nämlich in Form eines angebissenen Apfels und verführt die Menschen mit: „Nur noch ein Insta-Video und du wirst glücklich.“
Ich gebe zu, dass ich gleich am Anfang viel vom Erlöser erwarte, aber gerade im Probemonat muss man sich eben ins Zeug hauen. Nur warum verzichtet er schon so lange auf ein Comeback? Vielleicht, weil er die zehn Gebote nicht als Podcast aufnehmen will oder das letzte Abendmahl schwierig wird, wenn fünf der zwölf Apostel Intervallfasten? Vermutlich, weil dem Erlöser Folgendes als unmöglich erscheint: Er sitzt im Postbus, die Person neben ihm packt eine vier Tage alte Leberkässemmel aus, und er müsste sich denken: „Liebe deinen Nächsten.“
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