"Am Feld" von Franzobel: Die WM-Leerstelle namens Georgien
Hier schreiben abwechselnd Franzobel und Johanna Sebauer – er über das Leben am Sportplatz, sie über jenes am Land.
Von Franzobel
So viele Teams können sich gar nicht qualifizieren, dass nicht ein paar Leerstellen mahnend neben der WM stehen. Irland und Island etwa. Osimhen, Szoboszlai und Lewandowski sind Stars, die mir nicht wirklich abgehen, aber Georgien mit der halben Sturm-Mannschaft hätte ich gerne gesehen. Georgien? Da heißen alle Willi (Saakaschwili, Kawelaschwili ...). Nur warum es morgens durch Tiflis "Haxi, Haxi!" hallt, ist schleierhaft. Wird da Gebäck angepriesen, eine Katze vermisst, oder beklagt man, dass bei der WM mit Khvicha Kvaratskhelia der beste Zangler fehlt?
Der Kaukasus-Maradona hat immerhin gerade Paris SG zum CL-Triumph geführt. Schade um Georgien. Das Land ist eine Mischung aus ehemaliger Sowjetunion und mediterranem Dolce Vita. Gutes Essen und eine Schrift wie aus einem Comic. Putin kann kein Genussmensch sein, sonst hätte er Georgien längst okkupiert. Für Österreich ist die Verletzung unseres Alpen-Kvaratskhelias Baumi Baumgartner (vergleichbar mit jener von Junuzovic 2016) schmerzhafter.
Wir sind zwar seit Kreuz und Ruttensteiner willi-los, aber dabei und willig, den böswilligen Fußballgöttern zu trotzen und einen Baum auszureißen für den Baumi. Sollte das nicht klappen, tröstet ja vielleicht ein Urlaub in Georgien. So vielen Willis wie dort begegnet man sonst nirgendwo, außerdem den Haxi-Haxi-Rufen in Tiflis, deren Sinn ein Rätsel bleibt. Bieten sie Chachwi (Zwiebel) an, was sich ähnlich anhört? Tränendrüsen-Treibstoff wegen Kvaratskhelia? Oder rufen sie den Österreichern zu: Passt auf eure Beine auf? Bitte keine Verletzung mehr! Eine Leerstelle ist genug, das Fehlen Baumgartners schmerzt. Oder auf Georgisch: Baumi Willi vili. Millivanilli. Mille Willi. Killekille.
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