Kolumnen
09/11/2020

Es brennt

Empathielosigkeit gilt als neue Ultima Ratio. Empörung ändert daran nichts. Mitgefühl lässt sich nicht verordnen, nur vorleben.

von Birgit Braunrath

Heute vor 19 Jahren brannten die Twin Towers in Manhattan. Im Fernsehen sah man verzweifelte Menschen, die es ins Freie geschafft hatten. Wie verzweifelt die eingeschlossenen Menschen im Inneren der Türme gewesen sein müssen, lässt sich nur erahnen. Immer wieder hörte man während der TV-Liveübertragung den dumpfen Aufprall von Körpern auf dem Asphalt. Die Menschen sprangen in den Tod, um den Flammen zu entgehen. – Wer eine Seele hatte, dem brannte dieses Leid darauf. Und wer konnte, der weinte.

Dieser Tage brannte Europas größtes Flüchtlingslager nahe dem Dorf Moria auf Lesbos. Tausende Menschen, die so gut wie nichts hatten, verloren auch das noch. Viele sagen jetzt: „Schwangere und Kinder rausholen!“ Andere sagen: „Gut, wenn’s brennt. Dann jammert wenigstens keiner, dass die Flüchtlinge erfrieren.“ – Wer so sarkastisch höhnt, dem ist Mitgefühl nicht mehr vermittelbar. Diskussion zwecklos. Empathielosigkeit gilt als die neue Ultima Ratio. Und Empörung ändert daran leider gar nichts.

Wer noch Mitgefühl hat, der sollte lieber seinen inneren Kompass ausrichten, hinausgehen und jeden Tag irgendwo einen Funken Hoffnung entzünden. Das wird ein Feuer.

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