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Social Media geht ins Kaffeehaus

Das Instagram-Ranking der Wiener Kaffeehäuser kann man nicht ernst nehmen.
Wolfgang Kralicek

Obwohl Instagram im Café Kralicek normalerweise kein Thema ist, war es bei den Stammgästen in den vergangenen Tagen Thema Nummer 1. Im KURIER hatten sie nämlich gelesen, dass es ein auf Basis der Instagram-Präsenz erstelltes Kaffeehaus-Ranking gibt. Und da steht mit deutlichem Abstand das Café Central (73.080 Postings) ganz oben, gefolgt von Demel (28.890) und Sacher (23.750). Jetzt wissen die Stammgäste wieder, warum sie von Instagram nichts halten.

Keines dieser drei Kaffeehäuser wird von Einheimischen frequentiert; das Demel und das Sacher würden die meisten Wienerinnen und Wiener wahrscheinlich nicht einmal als Kaffeehaus bezeichnen. Auf den Plätzen 4 bis 10 wird es etwas besser; da finden sich mit Hawelka, Landtmann und Sperl ein paar Klassiker und mit dem Kleinen Café sogar ein richtig lässiges Lokal. Trotzdem kann man das Ranking nicht ernst nehmen.

Paralleluniversum

Interessant ist daran aber folgender Aspekt: Offensichtlich sind die genannten Cafés bei Touristen am beliebtesten. Und wie kommen die zu ihren Informationen? Aus den sozialen Medien natürlich. Das Ranking ist ein schönes Beispiel für das Paralleluniversum, das Instagram und Co. errichtet haben. Den Wienerinnen und Wienern kann es recht sein. Sie haben die wirklich guten Kaffeehäuser für sich.

Nur etwas bereitet den Stammgästen ein wenig Kopfzerbrechen: Was passiert, wenn einer von ihnen nach Paris oder Mailand reist? Landet der dann auch in einer Touristenfalle? „Mir kann das nicht passieren“, glaubt Stammgast Karl. „Ich bin ja nicht auf Instagram.“

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