Wo geht’s hier zum Café Kralicek?

Sorry, die Adresse dürfen wir nicht verraten.
Wolfgang Kralicek

Es gibt regelmäßige Leserinnen und Leser dieser Kolumne, die noch nie im Café Kralicek waren. Viele fragen sich bis heute, ob es das Café überhaupt gibt. Der Redaktion ist die Adresse bekannt. Aber verzweifelte Lesernachfragen können trotzdem nicht beantwortet werden. Der Deal mit dem Chef ist folgender: Die Stammgäste bleiben ungestört, dafür darf der KURIER einmal in der Woche darüber berichten.

Das Café ist ein gefährdetes Biotop, das vor invasiven Arten – Influencer, Touris und andere Hafermilch-Latte-Trinker – geschützt werden muss. Das soll nicht heißen, dass das Café eine geschlossene Gesellschaft ist, auch das wäre sein Ende. So ein Kaffeehaus ist wie ein See, es lebt vom Zufluss frischen Wassers, auch wenn man davon oft gar nichts sieht. Man merkt es jedenfalls dann, wenn der Nachschub versiegt. Dann kippt der See, und ein Kaffeehaus verliert so sehr an Bedeutung, dass es irgendwann zusperrt und nicht einmal jemandem abgeht.

Ein Kaffeehaus, wie es sein sollte

Dem Café Kralicek kann das nicht passieren. Jung und Alt kommen hier ebenso zusammen wie Reich und Arm, Schwarz und Rot, Grün und sogar Blau (ausgenommen die, die Lokalverbot haben). Der Kaffee ist so gut wie in Italien, das Bier ist süffig wie im Schweizerhaus, das Zeitungsangebot wird nur von dem bei Morawa in der Wollzeile übertroffen, und die Küche hat auch dann noch offen, wenn man es wirklich dringend braucht.

Sie sagen, das klingt zu schön, um wahr zu sein? Mag sein, aber das haben jetzt Sie gesagt. Das Café Kralicek ist ein Kaffeehaus, wie es sein sollte. Wenn es so etwas nicht gäbe, müsste man es sofort eröffnen.

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