Fußball und Kaffeehaus: ein Auswärtsspiel

Im Café wird das neue Auswärtstrikot des ÖFB-Teams diskutiert.
Wolfgang Kralicek

Nichts wurde im Café in den vergangenen Tagen so ausführlich besprochen wie das neue Auswärtstrikot des Fußball-Nationalteams. „Das Trikot übersetzt die feinsinnige Kaffeehauskultur des Landes in ein sportliches Design“, heißt es in der Aussendung des ÖFB überraschenderweise. Das Leiberl ist türkis, hat ein marmoriertes Muster und ist von goldenen Linien durchzogen: Einen Hauch von Art déco mag man darin erkennen, aber Kaffeehauskultur?

„Das zeigt nur, wie weit weg der Fußball vom Kaffeehaus heutzutage ist“, ätzt Stammgast Klaus. „Noch offensichtlicher wird das, wenn man sich die absurden PR-Fotos dazu anschaut. Die Fotos zeigen Nationalspieler im Kaffeehaus, sind aber offensichtlich im Studio entstanden und wirken auch sonst total unrealistisch. Zum Beispiel steht auf dem Tisch eine French-Press-Kanne! Und die Kicker schauen drein, als wären sie zum ersten Mal im Kaffeehaus. Sogar der Leopold Querfeld, obwohl der ja quasi im Landtmann aufgewachsen ist.“

Früher, als der ÖFB noch nicht in der Seestadt Aspern, sondern im „Haus des österreichischen Fußballsports“ auf der Mariahilfer Straße residierte (da, wo heute die Thalia-Filiale ist), gab es dort auch das „Espresso Goal“. Und noch früher, in den 1930er-Jahren, saß der Teamchef Hugo Meisl im selben Kaffeehaus wie die Sportjournalisten und ließ dort ewige Sätze wie „Da habts euer Schmieranski-Team!“ fallen.

Heute sitzen weder Teamchefs noch Sportjournalisten im Café: keine Zeit! Zu Hause ist der Fußball im Café nur noch dann, wenn dort im Fernsehen ein Match geschaut wird. Insofern logisch, dass es das Auswärtstrikot ist, das an die Kaffeehauskultur erinnern soll.

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