Auf ein Himbeer Soda mit Florentina Holzinger
Die Wiener Festwochen gehen auch am Café Kralicek nicht spurlos vorbei. Wie sollten sie auch, Intendant Milo Rau tut ja alles, um mit seinem Festival Spuren zu hinterlassen. Er schaut übrigens hin und wieder vorbei, um sich mit Künstlerinnen oder Journalisten zu treffen. Beim Personal ist er nicht unbeliebt, das Trinkgeld passt, nur dass er jedes Mal die anderen Gäste abstimmen lässt, was er bestellen soll, finden die Kellner etwas mühsam. „In einer Freien Republik wie den Festwochen geht es leider nicht anders“, sagt der Intendant achselzuckend.
Aber haben die Festwochen heuer nicht eine Art Gottesstaat ausgerufen? Nicht nur die Stammgäste haben da ein wenig den Überblick verloren. „Das ist aber nicht so wichtig“, sagt Stammgast Karl. „Hauptsache, das Theaterprogramm ist gut.“ Und, fragt der Chef, wie ist es? „Geht so, große Sternstunden hab’ ich bisher jedenfalls noch keine erlebt.“ Stammgast Elfriede widerspricht: „Also, das Pfingstfest von der Holzinger war schon toll!“
Weil Elfriede die Einzige im Café ist, die eine Karte für die Aktion auf dem Nitsch-Schloss in Prinzendorf ergattert hatte, kann da leider niemand mitreden. Der Chef erinnert daran, dass die Choreografin früher öfter da war, als sie noch kein Weltstar der Performancekunst war. „Sie hat immer einen kleinen Espresso mit großem Himbeer Soda getrunken und sah gar nicht aus wie eine Tänzerin, eher wie eine Kampfsportlerin oder so.“
„Sie ist ja auch eine Kämpferin“, sagt Elfriede, „und sie kennt keinen Schmerz. Aber sie denkt wie eine Choreografin, und manche ihrer Stücke zeigen, dass auch Tanz ein Extremsport sein kann.“ Sollte Florentina Holzinger wieder einmal im Café vorbeischauen, geht das Himbeer Soda aufs Haus, das hat der Chef versprochen.
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