Was läuft falsch im Florianihof?

Das traditionsreiche Café in der Josefstadt ist schon wieder insolvent.
Wolfgang Kralicek

Am Mittwoch ist im KURIER ein Artikel erschienen, der im Café mit großem Interesse gelesen wurde. Das Café Florianihof in der Josefstadt steht wieder einmal vor der Pleite. Das traditionsreiche Lokal wechselte zuletzt häufig die Besitzer. Die jetzigen Betreiber haben erst im vergangenen Juli aufgesperrt – und sind bereits insolvent. An der Sanierung wird gearbeitet, das Café bleibt bis auf Weiteres geöffnet. Was ist das Problem?

Gestern hat eine kleine Delegation von Stammgästen beschlossen, sich selbst ein Bild zu machen. Mit dabei hatte sie eine Checkliste, die sie Punkt für Punkt abarbeitete. Lage: etwas abgelegen, aber idyllisch, mit Blick auf den Schlesingerplatz. Das beliebte Standesamt ist übersiedelt – nicht gut für das Café. Ambiente: Ein nicht besonders großer, aber hoher und heller, luftiger Raum. Rechts an der Wand verläuft eine durchgehende Sitzbank, Logen für intimere Besprechungen gibt es keine. Kaffee: Die getestete Melange wurde leider viel zu heiß gebrüht und schmeckte entsprechend bitter. Zeitungen: Neben zahlreichen Magazinen liegen am Testtag fünf Tageszeitungen und eine Wochenzeitung auf. Das Problem: Nur bei einer davon handelte es sich um die aktuelle Ausgabe.

Besonders irritierend fand die Prüfdelegation die Öffnungszeiten: Das Florianihof sperrt um 17.30 (!) Uhr, die Küche bereits um 16 (!!) Uhr. Am Dienstag und Mittwoch ist überhaupt geschlossen (!!!). „Habe ich richtig gehört?“, blafft der Chef, der sich bisher nobel zurückgehalten hat. Ein Kaffeehaus mit Ruhetagen ist für ihn undenkbar. „Schon deshalb, weil ich befürchten würde, dass die Stammgäste dann ein anderes Café entdecken.“ Womöglich ja eines, in dem heutige Zeitungen aufliegen.

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