Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Sauer macht lustig: Angelika Niedetzky hat einen Kater

Die Kabarettistin und Schauspielerin über Heißhunger, Wanderlust und zu wenig Blut im Alkohol.
Angelika  Niedetzky
++ THEMENBILD ++ BIER / ALKOHOL / GESUNDHEIT / WIRTSCHAFT / BRAUEREI / TRINKEN / GASTRONOMIE

Kürzlich feierte eine sehr gute Freundin Geburtstag, und wir verbrachten den halben Tag am Wiener Karmelitermarkt bei strahlendem Sonnenschein mit hochsommerlichen Temperaturen, Prosecco, Bier, Wein, Weib und Gesang, möchte ich fast sagen. Meine beiden Hunde lagen (aus freien Stücken!) stundenlang am heißen Asphalt und waren irgendwann „medium rare“. Die Hitze, wie auch die Gastfreundlichkeit des Geburtstagskindes, trugen klassisch dazu bei, dass ich bei Einbruch der Dunkelheit nicht mehr genau sagen konnte, wie viele Gläser auf mein Konto gegangen waren. Da aber die gesamte Meute geschlossen in ein Speiselokal ums Eck mehr wankte als schlenderte, war mir der Grad meiner Trunkenheit zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so bewusst.

Erst als ich den Nachhauseweg nach Transdanubien mit der U-Bahn antrat, einnickte und wie durch ein Wunder an der richtigen Haltestelle emporschnellte, ausstieg, eine kühle Luftwatsche entgegennahm und mich erst einmal davon überzeugte, ob eh noch immer zwei Hunde an den anderen Enden der beiden Leinen hingen, die zwei mich sprichwörtlich nach Hause zerrten, und ich hicksend versuchte, den Schlüssel ins Schloss zu manövrieren, da wurde mir kurz bewusst, das würde kein schönes Erwachen morgen werden.

Reparatur naturtrüb

Was tun bei akutem Kater? Reparaturseiterl, Wasser und Aspirin sind bekannt, ich will es heute anders. Joggen und dann einen Liter Wasser mit frischem Zitronensaft und etwas Gesundes zum Essen. Wieso ist eigentlich immer eine Zitrone schimmlig in so einem Netz? Und wieso sind von 4 Avocados auch immer zwei schon schlecht? Das regt mich heute besonders auf. Joggen freut mich nun doch nicht. Und ich will eh keine Zitrone grad! Ich bin selber sauer auf mich selber, weil ich einen blöden Heißhunger auf McDonald’s habe! Ok, ich fahr’ dort nur hin, wenn ich danach aufs Land fahre und wandern gehe. Der Schachtelwirt kostet eine Lawine und der Burger ist nur noch so groß wie eine Mäusefaust. Bei jeder Sauce, die ich öffne, reißt der Deckel ein, die Hunde schnorren mir sämtliche Chicken Nuggets ab, die Kassiererin erzählt mir, dass Tulln die größte und modernste Mega-Filiale Österreichs plant, worauf mir fast ein bisschen schlecht wird. Weil es aber eh schon wurscht ist, schlürfe ich auch noch gierig ein Red Bull runter, mampfe noch die letzten letscherten lauwarmen Pommes, rülpse kurz mit spannendem Odeur und überlege mir eine Wanderroute.

Es fließt noch zu wenig Blut im Alkohol und mein Körper verlangt nach mehr Flüssigkeit. Ich hole mir noch ein Flascherl Radler. Diese Menge stimmt, es waren immer 0,33 l und es sind auch heute 0,33 l. Zitrone ist auch drin, sauer macht nun endlich lustig, weil das Bierchen seine Wirkung tut, und ich stehe in Wanderausrüstung am Fuße eines Berges und bestell mir… ein Soda-Zitron. Der Berg ruft!

Kommentare