Was wäre wenn, Sport dickt machen würde, fragt sich Klaus Eckel

Ärzte würden Menschen, die ständig in Bewegung sind, betreutes Liegen verschreiben, meint Klaus Eckel in einer Atempause.
Klaus Eckel
LEICHTATHLETIK: 42. VIENNA CITY MARATHON (VCM)

Was wäre, wenn Sport dick machen würde? Würde ich mich dann wirklich bei einem Marathon stundenlang über den glühenden Teer schleppen? Denn was wartet dann im Ziel als Belohnung auf mich? Hüftspeck. Und vielleicht noch eine Urkunde, auf der steht: „Teilgenommen.“ In meiner Kindheit galt auf Sporturkunden das Wort „Teilgenommen“ als Synonym für einen motorischen Totalausfall.

Das Wort „Teilgenommen“ bedeutete so viel wie: „Ihr Sohn hat die Sportstätte gefunden.“ Eigentlich hat auch das nicht gestimmt, weil ich meistens von meinen Eltern geführt wurde. Auf einer ehrlichen Sporturkunde hätte stehen müssen: „Ihr Sohn hat es mit tatkräftiger Unterstützung einer Gynäkologin, zweier Hebammen und einer massiv mitarbeitenden Mutter gerade noch ins Leben geschafft.“ 

Ich vermute, dass alle Menschen, die sich im Fitnessstudio auf einem Stepper abmühen, währenddessen exakt an eine Sache denken: Essen. Da leuchtet am Display die Zahl „112 Kalorien“ auf und sofort beschäftigt man sich mit nur einer Frage: Wie viel ist das in Schnitzel? Die Antwort lautet: keins. Dafür darf man für den Abbau von 112 Kalorien die auf dem Schnitzel liegende Zitrone auszuzeln.

Einmal alles mit Zwiebeln! 

Den Menschen gibt es seit ca. 300.000 Jahren, und er war permanent auf der Suche nach Nahrung. Gewichtsprobleme entstehen erst, seitdem wir alle zehn Meter in Futterquellen reinstolpern. Da befiehlt uns das Neandertaler-Gehirn sofort: Einmal alles mit Zwiebeln! Danach quält man sich zum Fettabbau wieder auf ein Sportgerät. 

Doch in einer Welt, in der Bewegung dick machen würde, wäre dieser bösartige Kreislauf durchbrochen. In dieser Welt wäre das Bett ein mit Leintüchern überzogenes Präventionszentrum. Ärzte würden Menschen, die ständig in Bewegung sind, „betreutes Liegen“ verschreiben, Aufzüge würde die Sozialversicherung bezahlen und Treppenhäuser wären in Beton gegossene Mordversuche.

Wissen Sie, wann mir all diese Gedanken in den Sinn gekommen sind? Zwischen den Atempausen eines Ü50-Zirkeltrainings.

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