Acht Millionen Ornithologen für ein paar Windräder

Klaus Eckel war bei einer Diskussion über geplante Windräder. Die Einigung: Windräder sehr gerne, aber bitte unterirdisch.
Klaus Eckel
Ein Windrad wird aufgebaut.

Österreich hat angeblich acht Millionen Teamchefs, doch mittlerweile genauso viele Ornithologen. Ich war in Niederösterreich bei einer Diskussion über den Bau etwaiger Windräder. Das Hauptargument dagegen lautete: „Die Vögel werden alle sterben!“ 

Als dann der Vorsitzende fragte: „Welche Vögel meinen Sie?“, antwortete eine Dame: „Na, die mit den Flügeln.“ Zumindest wird der neuseeländische Kiwi aufatmen, denn der ist mit seinen extrem zurückgestutzten Flügeln nicht Zielgruppe des drehenden Sensenmanns.

„Das ist ein KI-Rotkehlchen!“ 

Ein älterer Herr zeigte über den Beamer ein Foto von einem dänischen Windrad, vor dem ein lebloser Vogel lag. Ein Teilnehmer rief laut: „Das ist ein KI-Rotkehlchen!“ Eine Frau ergänzte: „In Deutschland hat jetzt ein AfD-Gemeinderat in der Nacht heimlich tote Vögel in einem Windpark verstreut, um das am nächsten Tag als Skandal anzuzeigen!“ Vielleicht entsteht da gerade im Energiesektor ein ganz neuer Beruf: Toter-Vogel-Züchter.

Am energischsten argumentierte eine Frau für den Vogelschutz, bei der sich herausstellte, dass sie zu Hause acht Katzen besitzt. Ich war kurz davor, von unserem Kater zu erzählen, dessen Lebensmotto lautet: „Ein guter Tag endet mit drei toten Amseln auf der Eckel-Fußmatte.“ Am Ende einigte man sich auf den Wunsch: Windräder sehr gerne, aber bitte unterirdisch.

Im Nu bringen diese Landschaftspropeller die Emotionen zum Köcheln. Windräder sind das neue Gendersternchen. Als weiterer Experte aus der Kategorie „meinungsstark und ahnungsschwach“ nun mein Gedanke: Die Abhängigkeit von iranischen Wasserstraßen, russischen Pipelines und amerikanischen Gastankern führt ganz offensichtlich in eine europäische Sackgasse.

Derzeit bestimmen ins Auge der Endlichkeit blickende, selbstbetrunkene Despoten über unser Leben. In einigen derer Köpfe sitzt ein Vogel in der Größe eines Flugsauriers. Hoffentlich setzen wir nicht gerade diese Vögel auf die Liste der bedrohten Arten.

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