Alfred Dorfers WM-Kolumne: Österreich fast Weltmeister seit 1934

Drei Stimmen, drei Blickwinkel, ein Sport: Mal analytisch und pointiert, mal emotional und augenzwinkernd, mal überraschend quer gedacht. Hier schreiben abwechselnd Schriftsteller Franzobel, Schauspieler Alfred Dorfer und Autorin Johanna Sebauer.

Vom Autor Alfred Dorfer

Die Vorfreude auf die WM ist riesig, da wir ja bei den bisherigen sieben Auftritten stets knapp am Titel dran waren. 1930 wurde noch wegen der langen Anreise nach Uruguay verzichtet. Nicht wegen Nachhaltigkeit, sondern aus Kostengründen.

1934 kamen wir als unschlagbares Wunderteam nach Italien und haben praktisch gewonnen, hätten nicht sieben Spieler dieser Zaubertruppe gefehlt. Während der WM fanden zudem noch Nachtragsspiele der österreichischen Meisterschaft statt, was offenbar wichtiger war. Auch Trainer Jimmy Hogan musste zuhause bleiben, zu teuer.

Zwei verpasste WM-Titel also in den Dreißigerjahren aus finanziellen Gründen. 1954 verlor das zweite Wunderteam um Happel und Co. im Halbfinale hauchdünn 1:6 gegen Deutschland bei großer Hitze. Ohne den übermächtigen Gegner namens Wetter wäre unser Triumph unaufhaltbar gewesen. 1958 kam das unfaire Aus gegen die Sowjetunion, England und Brasilien, die schon wegen der jeweiligen Bevölkerungsanzahl haushoch überlegen waren. 1978 muss man nicht extra erwähnen, Deutschland geschlagen und somit Weltmeister der Herzen. 1982 in Gijon spielten wie 1938 Österreicher und Deutsche für den gemeinsamen Erfolg, diesmal freiwillig. 

So wurden wir durch diese Schützenhilfe für Deutschland immerhin Co-Vizeweltmeister im Geiste. 1990 und 1998 waren wir mental schon vor der Anreise Weltmeister, leider gab es die unsportliche Regel, in der Vorrunde ausscheiden zu können. In diesen Jahren werden Deutschland und Frankreich als Weltmeister geführt, typisches Beispiel für Fake News. 
2026 fahren wir eher nicht als Weltmeister hin, aber eines ist sicher: es wird die beste Platzierung bei einer WM mit 64 Teilnehmern.


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