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Travolta muss ins Museum

John Travolta ließ sich für seinen Auftritt beim Filmfestival Cannes etwas ganz Besonderes einfallen.
Alexander Kern
John Travolta beim Filmfestival Cannes

Ein roter Teppich ist immer mehr als rot, und immer mehr als bloß ein Teppich. Inszeniert werden Botschaften, Egos und die Schlagzeilen von morgen. Man will nicht bloß gut aussehen – Filmproduzenten sollen zum Telefon greifen, die Traumfrau eine DM schicken und Tante Erni das Frühstückskipferl in den Kaffee fallen vor Stolz. Für Frauen erledigen extravagante Roben den Job, zur Not auch ein Busenblitzer. Aber auch Männer wollen nach Welt aussehen. Dafür haben sie sich seit Neuestem einen Trick einfallen lassen: Sie altern rückwärts.

Männer und Mode

Jim Carrey erschien kürzlich derart gesichtsgeglättet zu einer Preisverleihung, dass er Gerüchte dementieren musste, ein Doppelgänger hätte den Preis entgegengenommen. Nun tauchte John Travolta beim Filmfestival in Cannes auf. Die permanente Höhenluft muss dem passionierten Piloten sehr guttun, denn mit 72 sah er aus, als hätte man ihn nach dem Saturday Night Fever schockgefroren und erst jetzt wieder aufgetaut. Staying Alive!

Neben dem gefärbten Bart fiel noch etwas auf: Mit Baskenmütze über der Glatze wirkte der geheimnisvoll verjüngte Travolta wie halb Schlumpf, halb Malerfürst aus der Shopping Mall. Männer und Mode: Mit exaltierten Schals versuchen sie, ihre Midlife-Crisis aufzupeppen, Simpsons-Socken sind die sichtbare Diagnose einer Überforderung, die Trends entweder übertreibt oder ihnen hilflos hinterherhechelt. 

Dennoch bin ich sicher, Travoltas Mütze wird in einem Museum für Cineasten landen. Wie die Arbeitshose von Thomas Bernhard, zerfetzt nach einem Unfall im Wald mit Kettensäge. Die hängt jetzt im Literaturmuseum der Nationalbibliothek.

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