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Roxanne und Kommissar Rex

Was Sting und Tobias Moretti voneinander trennt, ist mehr als ein Welthit und ein Schäferhund.
Alexander Kern
Kommissar Rex

Der Sänger Sting gab dem Fernsehsender CBS kürzlich ein spannendes Interview. Eine Frage hat mich dabei besonders interessiert: „Nervt es Sie, auf die Bühne gehen zu müssen, wenn die Leute ,Roxanne‘ (einen seiner Welthits) rufen?“ Immerhin, er habe das Lied doch wahrscheinlich schon tausend Mal zum Besten geben müssen.

Play it again, Sting!

Im Handumdrehen fühlte ich mit Deep Purple, Oasis und den Eagles. Alle eint dasselbe Schicksal: Einer ihrer Hits ist größer als alle anderen, die Deutungshoheit über sie ist ihnen längst entglitten. Auch in Österreich warten bei Opus immer noch alle auf „Live Is Life“, und wenn Wolfgang Ambros an einem beliebigen Ort auftritt, kann man die Sekunden zählen, bis der erste schreit: „Schifoahn!“

Vielen Künstlern behagt das gar nicht. Sie beharren darauf, erwachsen geworden zu sein, während das Publikum ihre Jugendliebe sehen will. Kurt Cobain war „Smells Like Teen Spirit“ peinlich. Wer Leonardo DiCaprio nach „Titanic“ befragt, ist dem Untergang geweiht.

Mit Tobias Moretti hatte ich einst ein Interview in Innsbruck. Eine Familie sah uns neugierig zu, dem kleinen Sohn entfuhr sogleich ein: „Schau, der Kommissar Rex!“ Selten habe ich Herrn Morettis Miene sich so verfinstern sehen, wie bei dieser Gelegenheit. Sich für ein Foto zu überwinden, kostete ihn die allerhöchste Willensanstrengung, was ihm hoch anzurechnen ist. 

Sting jedenfalls meinte, er freue sich riesig, jeden Abend „Roxanne“ zu singen. „Meine Aufgabe ist es, ein Lied, das ich vor 45 Jahren geschrieben habe, mit derselben Neugier zu singen wie an dem Morgen, als ich es geschrieben habe.“ Ich muss gestehen, diese Einstellung gefällt mir.

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