Kampusch ist wieder weltweites Medienthema

Am Montag hat „3096 Tage“ in Wien Premiere. Der Film sorgt international schon vorab für großes Aufsehen – mit allen Vor- und Nachteilen.
Eine Frau sitzt in einem roten Sessel vor dem Hintergrund der Sendung „Günther Jauch“.

Was haben so unterschiedliche Medien wie die Zeitung El Espectador aus Uruguay, Radio Sarajevo und das US-Branchenblatt Variety gemeinsam? Sie alle haben in den vergangenen Tagen über Natascha Kampusch berichtet. Der österreichische Entführungsfall sorgt wieder für internationale Schlagzeilen. Jeder griffige Interviewsatz von Kampusch wird medial bis ins Detail interpretiert, jedes Bild der jungen Frau analysiert.

Anlass ist diesmal der Kinofilm „3096 Tage“, der am 28. Februar regulär in die Kinos kommt und am morgigen Montag in Wien seine Uraufführung feiert. Darin werden, abgesegnet von Kampusch selbst und basierend auf ihrer Autobiografie, Entführung und jahrelange Gefangenschaft der Wienerin auf die Leinwand gebracht.

Kampusch kündigte an, bei der Premiere selbst anwesend zu sein. Und wo das ehemalige Entführungsopfer derzeit ist, sind die Journalisten nicht weit: Mehr als zwei Dutzend internationale Kamerateams haben sich für die Gala in Wien angemeldet.

Dreifachpremiere

Auch die Aufmerksamkeit für den Film selbst, der als das Vermächtnis des deutschen Großproduzenten Bernd Eichinger gilt, ist gewaltig. Nach der Wiener Uraufführung gibt es noch Premieren in München und Berlin. Kampusch wird von Antonia Campbell-Hughes dargestellt, der Film spielt zu einem guten Teil im klaustrophobischen Verlies. Wie und ob sich das künstlerisch ausgeht, ist derzeit noch (mehr oder weniger) geheim: Journalisten, die den Film vorab gesehen haben, dürfen erst kurz vor der Wiener Premiere ihre Meinung dazu äußern – je später das Urteil der Kritik feststeht, desto länger lässt sich spekulieren. Trotzdem überschlagen sich die Boulevard-Medien und auch seriöse Blätter schon mit Vorab-Kritiken und Berichten darüber, was der Film jetzt alles beweist, erstmals zeigt – oder doch „eine Nuance anders“ darstellt, als es wirklich war, wie Kampusch betont. Dass alle Bilder, so nah sie auch an der Realität sein mögen, letztlich Fiktion bleiben, wird da gerne beiseite gewischt: Jedes bekannte Detail aus dem Film wird als aufschlussreiches Indiz aufgefasst.

Eine junge Frau mit blonden Haaren betrachtet sich in einem dreiteiligen Spiegel im Badezimmer.

Ein Mädchen mit blonden Haaren malt mit einem Stift an einer Wand.

Ein junges Mädchen mit einem Rucksack und einer Wunde an der Stirn sitzt in einem Fahrzeug.

Ein Porträt eines jungen Mädchens mit hellbraunen Haaren und Pony.

Ein Mann und eine Frau stehen besorgt vor einem geöffneten Lieferwagen.

Ein Mann mit ernstem Blick steht hinter einer Wand.

Eine Frau mit blonden, schulterlangen Haaren und einem blauen T-Shirt blickt in die Kamera.

Porträt eines Mannes mit ernstem Gesichtsausdruck vor dunklem Hintergrund.

Eine Frau mit blonden Haaren blickt über ihre Schulter.

Ein Mann hält das Gesicht einer jungen Frau in seinen Händen.

Porträt einer jungen Frau mit blonden Haaren und hellen Augen.

Ein Paar in Skikleidung steht vor einer verschneiten Berglandschaft.

Ein älterer Mann und eine Frau stehen neben einer Filmkamera.

Eine junge Frau mit blonden Haaren blickt nachdenklich zur Seite.

Kampusch
Das Filmplakat für „3096 Tage“ zeigt ein Mädchen vor einer Wand mit dem Zitat „Nur einer von uns konnte überleben“.

So viel mediale Präsenz bleibt heutzutage jedenfalls nicht ohne Schattenseiten: Gehässige Kommentare in Online-Foren und Social Media begleiten die Medienoffensive von Kampusch zum Film.

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