Der Weg zum Tee
Zur Begrüßung gibt es Tee. „What else“, würde wohl auch George Clooney angesichts der golden leuchtenden Flüssigkeit fragen und jeden Espresso stehen lassen. Denn noch 36 Stunden zuvor wuchsen diese Teeblätter, die in der durchsichtigen Teekanne schwimmen, als frisches Grün auf buschigen Teesträuchern.
Eine Reise durch die Himalaja-Regionen
Teeplantage als Quartier
Doch wir sind im März, nach dem langen Winter in Österreich, nicht gerade sonnenverwöhnt. So bringen wir Dhiren kurz aus der Fassung, als wir das Tee-Tischchen spontan in den Vorgarten tragen. Dort haben wir nicht nur wärmende Sonnenstrahlen, sondern auch freie Sicht: auf die sanfte, tief grüne Hügellandschaft, die ein wenig an Vertrautes wie die Toskana oder die Südsteiermark erinnert. Wenn nicht im Hintergrund die markanten, weißen Gipfel des Kanchenjunga ins Bild ragen würden.
Der Blick auf den dritthöchsten Berg der Welt (8584 Meter) ist übrigens nicht selbstverständlich. Häufig versteckt sich der massive 8000er nämlich hinter dicken Wolken. Für Wanderer, Bergsteiger und Trekkingfans sind der Berg und seine Ausläufer in den vergangenen Jahren zu einem interessanten Anziehungspunkt geworden.
Ein anderes Indien erleben
Aber egal, ob zum Wandern, auf den Spuren der Teeproduktion oder einfach zum Eintauchen in eine fremde Kultur: Wer die Region Darjeeling besucht, erlebt auf jeden Fall ein anderes Indien, abseits der typischen Hektik des Subkontinents. Hier regieren buddhistische Gelassenheit statt Menschenansammlungen, Staub und Verkehrschaos. Es gibt zahlreiche buddhistische Klöster, die besucht werden können und deren besondere Atmosphäre auch den westlichen Besucher in einen anderen Rhythmus bringt. Die Bevölkerung ist von den nahen Nachbarländern Nepal und Bhutan geprägt. Schon die Engländer holten deren Vorfahren als Tee-Pflücker nach Indien.
Doch kaum wo wird der Hauch der Vergangenheit so lebendig wie in der Stadt Darjeeling: viktorianische Backsteinbauten, anglikanische Kirchen – und Traditionshotels.
Koloniales Flair
Tee ist nicht gleich Tee. Und jener aus Darjeeling ist überhaupt etwas Besonderes. Es ist das regionale Klima mit seinen Bodenverhältnissen, die in diesen hohen Anbaulagen zwischen 600 und 2300 Meter Seehöhe den feinen Geschmack ausmachen. Und vor allem die Teepflanze Camellia sinensis, die sich hier besonders wohlfühlt. Der Teeanbau in Darjeeling begann jedenfalls im 19. Jh., als die englische Kolonialmacht nicht mehr von China abhängig sein wollte und selbst begann, am Fuß des Himalaja Tee zu pflanzen.
Heute erntet man vier Mal pro Jahr. Die erste Ernte, der weltweit heiß begehrte First Flush , findet Ende März/Anfang April statt und ist besonders zart und fein. Der Second Flush folgt im Mai und ist bereits kräftiger. Nach den Regen- oder Monsun-Tees folgen im Herbst die besonders kräftig und würzigen Autumnals. Für die Weltproduktion hat die in den 87 Teegärten auf 17.500 Hektar hergestellte Teemenge nur geringe Bedeutung: 0,3 Prozent. Mittlerweile werden schon 60 Prozent biologisch erzeugt. Das heißt: keine Pestizide, sondern natürliche Dünger werden verwendet.
In Darjeeling wird Schwarztee nach der sogenannten orthodoxen Methode hergestellt. Bei der Verarbeitung ist besonderes Feingefühl notwendig, aber es entstehen dabei die besten Blatttee-Qualitäten. Teepflückerinnen sammeln händisch nur die zarten Blattspitzen ein. Danach werden die frischen Blätter sofort gewelkt (bis zu 18 Stunden) und anschließend in Rollmaschinen gerollt. Dadurch werden die Zellwände aufgebrochen, das Teeblatt oxidiert mit Sauerstoff und fermentiert – so entstehen die Teearomen. Minutengenaue Arbeit ist hier notwendig. Im richtigen Moment muss die Fermentation unterbrochen und das Blatt getrocknet werden. Dann folgt die Sortierung – und der Tee ist somit trinkfertig.
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