Warum die Ungleichheit in Österreich nicht steigt

Hermann Sileitsch-Parzer

Es ist ein äußerst kontroversielles Thema, da muss man schon präzise sein. Die jüngsten OECD-Daten zeigen: Die Ungleichheit hat bei Österreichs Einkommen seit der Krise nicht zugenommen. Sie hat sogar - minimal, aber doch - abgenommen. Anders als im gesamten Trend der Industriestaaten wirken bei uns offenkundig die Sozialtransfers und die Lohnpolitik ausgleichend.

Der Reiche-Staaten-Klub OECD zieht für seinen Vergleich nämlich die verfügbaren realen Haushaltseinkommen heran. Das umfasst neben den sogenannten Markteinkommen (Löhne, Gehälter) auch staatliche Transferzahlungen (Beihilfen, Arbeitslosengeld, etc.), aber auch Kapitaleinkommen (etwa aus Veranlagungsgewinnen).

Kräftige Umverteilung

Und weil Österreich unter den 35 OECD-Staaten am siebtstärksten umverteilt, wird dadurch die Schieflage der Markteinkommen teilweise ausbalanciert. Die Folge: Die Haushaltseinkommen sind eine Spur gleichmäßiger verteilt als vor der Krise.

Die OECD bemisst das am sogenannten Gini-Koeffizienten, der leider nicht besonders anschaulich ist. Der Wert zeigt an, wie sehr die Verteilung von einer gleichmäßigen Kurve abweicht. Bei 1 hätte ein Haushalt das gesamte Einkommen, bei 0 hätten alle gleich viel. In Österreich lag der Gini laut OECD zuletzt bei 0,280. Zwei Jahre davor war der Wert sogar noch etwas niedriger (0,276). Vor der Krise im Jahr 2007 war die Ungleichheit mit 0,285 eine Spur größer.

Besonders extreme Ungleichheit gibt es etwa in Chile (Gini-Koeffizient 0,465), Mexiko (0,459) und USA (0,394): Allesamt Länder, wo wenig bis fast gar nichts umverteilt wird.

Anders bei den Vermögen

Eine Anmerkung: Die Ungleichheit der Einkommen, die in Österreich relativ homogen verteilt sind, darf nicht mit der Ungleichheit der Vermögen verwechselt werden. Bei denen ist die Schieflage in Österreich tatsächlich beträchtlich.

Und noch ein Tipp: Wer überprüfen will, ob seine Selbsteinschätzung und sein Österreich-Bild mit der Realität übereinstimmen, der kann das anhand dieses OECD-Tools tun. Machen Sie den Test, es könnte Ihre Wahrnehmung verändern! http://www.compareyourincome.org/de

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