Betroffene leiden unter einem störenden Geräusch im Ohr ohne äußere Schallquelle.

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Gesund
03/13/2019

Neue Therapie gegen Tinnitus

Nur wenige Behandlungsmöglichkeiten des störenden Tons im Ohr wurden bisher wissenschaftlich belegt. Eine neue Therapie soll Abhilfe schaffen.

Wer von einem Tinnitus geplagt ist, leidet unter der Wahrnehmung eines störenden Tons oder eines unangenehmen Rauschens ohne äußere Schallquelle. Ohrgeräusche zählen mittlerweile zu den häufigsten Symptomen, mit denen Hals-Nasen-Ohren-Ärzte konfrontiert sind.

Liegt der Tinnitus noch nicht länger als drei Monate vor, spricht man von einem akuten Tinnitus. Für die Behandlung des akuten Tinnitus gibt es derzeit nur wenige wissenschaftlich überprüfte Therapiemöglichkeiten. Heidelberger Forscher untersuchten nun die Neuro-Musiktherapie und konnten Erfolge bestätigen.

Belastung wurde reduziert

In der Heidelberger Musiktherapie werden psychotherapeutische Elemente mit einer gezielten akustischen Stimulation von Tönen und Tonfolgen im Bereich der individuellen Tinnitusfrequenz kombiniert. Durch die Musiktherapie konnte die subjektive Tinnitusbelastung reduziert werden sowie Konzentration, Aufmerksamkeit und allgemeines Wohlbefinden der Patienten verbessert werden.

Untersucht wurden 66 Menschen, die unter akutem Tinnitus litten. Sie wurden unmittelbar vor und nach der Musiktherapie auch mittels Magnetresonanztherapie (MRT) untersucht.

Heidelberger Konzept

Das Deutsche Institut für Musiktherapieforschung in Heidelberg widmet sich bereits seit Jahren Tinnituspatienten. Das Konzept: Für jeden Patienten wird mittels eines Synthesizers ein ihrem Tinnitus ähnlicher Klang bzw. ähnliches Rauschen erstellt. Die Frequenz entspricht der ihres Ohrgeräusches. Dann wird der Patient mit diesem Klang sowie Klängen in höherer und niedrigerer Frequenz konfrontiert – und muss sie auch nachsingen. Das Konzept sei vergleichbar mit einer kognitiven Verhaltenstherapie – aber eben mit Geräuschen.

"Wir versuchen dem Gehirn beizubringen, dass der Tinnitus unwichtig ist", sagt Argstatter. Die Therapie (neun Einheiten) dauert rund eine Woche und wird erst eingesetzt, wenn die Akutbehandlung mit Cortison erfolglos war. Auch heimische Krankenkassen haben die Kosten (1500 Euro) bereits übernommen. Bei 80 Prozent Patienten geht der Tinnitus stark zurück – oder verschwindet ganz. Das neue Konzept setzt zusätzlich auf die Kombination mit psychotherapeutischen Elementen.

Betroffene können sich per E-Mail unter tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de über die Therapieform informieren.