Julia Wunsch sieht die langen Wartezeiten auf Ausbildungsstellen als Problem
für Junge.

© Julia Wunsch

Gesund
03/27/2019

Medizinstudentin: „Für viele ist das Ausland eine Option“

Lange Wartezeiten sind ein großes Problem, sagt Julia Wunsch, Vorsitzende der ÖH der Medizinischen Universität Wien.

von Elisabeth Gerstendorfer

Als Vorsitzende der ÖH der Medizinischen Universität Wien setzt sich Julia Wunsch für die Anliegen der Studierenden ein. Sie ist selbst im letzten Studienjahr und macht derzeit das klinisch praktische Jahr in einem Wiener Krankenhaus. „Ich fühle mich dort sehr wohl. Aber ich sehe auch, dass es auf vielen Abteilungen einen Personalmangel gibt und kein Geld, um fehlende Stellen zu finanzieren“, sagt die 25-Jährige.

Ein Nadelöhr ist für sie die neunmonatige Basisausbildung, die jeder angehende Arzt im Anschluss an das Studium durchläuft. „Die meisten Spitäler bieten die Basisausbildung an, viele haben aber anschließend keine freie Stelle. Will man in die Allgemeinmedizin, muss man jetzt nicht mehr nur den Turnus machen wie früher, sondern zusätzlich auch die Basisausbildung, was länger dauert und viele davon abhält, diesen Weg einzuschlagen.“ Auch die Wertschätzung des Hausarzts sei geringer, der Verdienst gleiche sich erst jetzt langsam dem anderer Fachrichtungen an.

Lange Wartezeiten

Ein großes Problem seien die langen Wartezeiten auf Ausbildungsstellen für Fachärzte. „Es ist in keiner Fachrichtung leicht, etwas zu finden. Bei Wartezeiten von eineinhalb Jahren in Wien, aber auch in anderen Bundesländern, ist für viele der Weg ins Ausland eine Option“, so Wunsch. Sie selbst möchte aus privaten Gründen in Österreich bleiben, weiß aber, dass viele Kollegen nicht nur das oft höhere Gehalt reizt. „In Deutschland kann man gleich mit der Facharztausbildung anfangen. In der Schweiz ist zwar das Arbeitspensum deutlich größer, aber es gibt keine Wartezeit und die Ausbildung ist zum Teil sogar besser.“

In Österreich hänge die Qualität der Ausbildung stark davon ab, wo man diese absolviert. „Es gibt Negativbeispiele, wo angehende Chirurgen die ersten drei Jahre nur auf der Station Dienste machen, statt im OP zu stehen. Da frage ich mich schon, was man lernt“, meint Wunsch. Ihrer Meinung nach fehle eine Kontrollinstanz und die Möglichkeit, Feedback anzubringen.

Angst davor, dass ihr Job nicht familienfreundlich wäre, hat sie nicht. Sie meint aber, dass das Arbeitszeitgesetz unterschiedlich eingehalten wird. „Oft funktioniert es nicht anders, als dass Ärzte ausstempeln aber noch weiterarbeiten. Das trifft Studierende weniger, aber ich habe von Kollegen gehört, die selbst in der Basisausbildung mehr arbeiten, um die Versorgung aufrecht zu erhalten.“

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