Das Thema Kinderwunsch und Fruchtbarkeit ist kein rein weibliches Thema.

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Gesund
05/22/2019

Fruchtbarkeit: Auch bei Männern tickt die biologische Uhr

Eine neue Studie zeigt, dass auch mit zunehmendem Alter des Vaters gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind steigen.

Viele Paare lassen sich mit dem Kinderkriegen Zeit – das erste Baby kommt immer später: Waren Mütter laut Statistik Austria in Österreich im Jahr 1984 im Schnitt noch 23,8 Jahren alt, stieg dieses Alter bis 2017 auf 29,5 Jahre. Auch die Väter werden älter: Die Statistik Austria führt jedoch keine genauen Aufzeichnungen dazu. Erhoben wird lediglich das durchschnittliche Alter der Väter bei der Geburt ohne Geburtenfolge (also unabhängig davon, das wievielte Kind es ist) für ehelich Lebendgeborene. Seit 2006, damals waren Väter im Schnitt 33,96 Jahre alt, ist das Alter bis 2018 auf 34,58 Jahre gestiegen.

Mit steigendem Alter sinkt die Fruchtbarkeit – es dauert mitunter länger, bis eine Frau schwanger wird, Komplikationen bei der Geburt werden häufiger, ebenso wie Geburtsfehler oder Behinderungen beim Kind.

Väterliche Fruchtbarkeit im Fokus

Bisher war das vor allem für Frauen ein Thema. Eine neue Studie zeigt nun: die biologische Uhr tickt auch bei Männern. Forscher der US-amerikanischen Rudgers-Universität in New Jersey haben nachgewiesen, dass auch ihre Fruchtbarkeit abnimmt, was wiederum ebenfalls die Gesundheit von Mutter und Kind beeinträchtigen kann.

Für die Metastudie haben die Wissenschafter Daten aus 40 Jahren Fruchtbarkeitsforschung ausgewertet. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse nun im Fachblatt Maturitas.

Es zeigte sich, dass Männer ab 45 Jahren eine verminderte Fruchtbarkeit aufweisen und ihre Partnerinnen einem höheren Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, bedingt durch Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie oder eine Frühgeburt ausgesetzt sind. Säuglinge älterer Väter haben ein höheres Risiko zu früh, zu spät oder mit zu geringem Gewicht geboren zu werden. Auch das Risiko von Geburtsfehlern wie etwa angeborene Herzkrankheiten oder Gaumenspalten steigt mit dem Alter des Vaters. Mit zunehmendem Alter der Väter wurde bei Kindern auch ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen im Kindesalter, psychiatrische und kognitive Störungen sowie Autismus festgestellt.

"Obwohl allgemein anerkannt ist, dass physiologische Veränderungen, die bei Frauen nach 35 auftreten, die Empfängnis, die Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes beeinträchtigen können, erkennen die meisten Männer nicht, dass ihr fortgeschrittenes Alter eine ähnliche Auswirkung haben kann", sagt Studienautorin Gloria Bachmann, Direktorin des Women's Health Institute an der Rutgers Robert Wood Johnson Medical School.

Sinkender Testosteronspiegel

Die Ursachen für diese Auswirkungen macht Bachmann im mit zunehmendem Alter sinkenden Testosteronspiegel sowie Anzahl der Spermien aus.

Zudem nimmt auch die Samenqualität und -fitness immer weiter ab. "Dies kann nicht nur das Befruchtungspotenzial verringern, sondern auch die Schwangerschaft selbst beeinflussen", sagt die Studienleiterin.

Einige Zusammenhänge müssten jedoch genauer untersucht werden. "Zusätzlich zu der Zunahme des väterlichen Alters, die mit einem erhöhten Risiko für männliche Unfruchtbarkeit einhergeht, scheint es weitere nachteilige Veränderungen zu geben, die mit dem Altern des Spermas einhergehen können. So wie Menschen mit zunehmendem Alter an Muskelkraft, Flexibilität und Ausdauer verlieren, neigt das männliche Sperma dazu seine 'Fitness' über den Lebenszyklus zu verlieren", sagt Bachmann.

Die Studie ergab auch, dass ältere Männer mit Fruchtbarkeitsproblemen zu kämpfen haben, selbst wenn ihre Partnerin unter 25 Jahre alt ist.

"Während Frauen in Bezug auf ihre reproduktive Gesundheit tendenziell aufmerksamer und besser informiert sind, konsultieren die meisten Männer Ärzte nur, wenn sie ein medizinisches Problem oder Fruchtbarkeitsproblem haben", betont Bachmann.

Beratung und Spermien konservieren

Bachmann rät Ärzten, (ältere) Männer und Frauen hinsichtlich der Auswirkungen ihres Alters auf die Empfängnis, die Schwangerschaft und die Gesundheit ihres Kindes zu beraten.

Um solche Risiken zu minimieren, empfiehlt das Forscherteam Männern, die ihre Vaterschaft hinauszögern möchten, darüber nachzudenken, ihr Sperma vor ihrem 35. Lebensjahr – spätestens aber bis zum 45. Lebensjahr – einfrieren zu lassen.

Die von Bachmann geleitete Studie folgt einer ähnlichen Erhebung, die im Oktober 2018 von Forschern der Stanford University School of Medicine veröffentlicht wurde. Die Studie ergab, dass bei Vätern über 35 ein höheres Risiko für Komplikationen wie niedriges Geburtsgewicht und Krampfanfälle bei Säuglingen besteht.