Rabeya und Rukaiya sind am Schädel zusammengewachsen.

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Gesund
01/07/2019

Am Kopf zusammengewachsene Mädchen sollen getrennt werden

Die siamesischen Zwillinge sind bereits zwei Jahre alt. Die riskante Operation soll in Ungarn erfolgen.

von Elisabeth Gerstendorfer

Rabeya und Rukaiya aus Bangladesch sind am Kopf zusammengewachsen. Anders als viele andere siamesische Zwillinge teilen sie sich keine lebensnotwendigen Organe wie Darm oder Magen. Damit sie ein normales Leben führen können, sollen sie nun – zwei Jahre – nach ihrer Geburt getrennt werden. Dazu flog die Familie jetzt nach Ungarn. Dort sollen die Mädchen von Spezialisten operiert werden.

20-köpfiges Team

Ein Team von 20 Medizinern wird an dem riskanten Eingriff beteiligt sein. Die Erfolgsquote liegt dennoch bei weniger als 20 Prozent, da ihre Schädel und Blutgefäße miteinander verbunden sind.

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Die Mädchen kamen 2016 auf die Welt und überraschten Ärzte seither mit ihrer Fähigkeit zu gehen und zu sprechen. Mutter Taslima Khatun sagte der Bangladesh Post: „Anfangs war es sehr schwierig mit ihnen umzugehen, aber jetzt können sie reden und gehen. Obwohl sie miteinander verbunden sind, haben sie unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale. Wenn Rukaiya weint, tut es Rabeya nicht.“

Regierung zahlt OP

Die Regierung Bangladeshs finanziert die Operation, Gesundheits- und Familienminister Mohammad Nasim schenkte der Familie sowie beteiligten Ärzten Flugtickets für die lebensverändernde Reise nach Ungarn.

Die beiden Kinder überraschten aber schon allein damit, dass sie leben. Dass siamesische Zwillinge, die am Kopf zusammengewachsen sind, überleben, ist äußerst selten.

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Siamesische Zwillinge kommen im Schnitt einmal unter 200.000 Lebendgeburten vor. Doch auch wenn sie die Geburt überleben, ist ihre Prognose meist nicht gut. Rund 40 Prozent der Kinder, deren Körper zusammengewachsen sind, werden tot geboren, weitere 33 Prozent sterben nach der Geburt, meist aufgrund von Organversagen oder Anomalien.

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Etwa jedes vierte Zwillingspaar überlebt, ein Teil davon kann erfolgreich getrennt werden. Je nachdem, wie die Kinder zusammengewachsen sind, sind die Chancen einer erfolgreichen Operation unterschiedlicher.

Fortschritte bei bildgebenden Verfahren im Gehirn sowie neurochirurgischen Techniken führten auch zu Erfolgen bei Trennungen. Dennoch handelt es sich stets um ein riskantes Verfahren, das Spezialisten aus aller Welt erfordert.

Bei Rabeya und Rukaiya ist die Operation auch deshalb notwendig, da die beiden ständig gebeugt gehen müssen und kaum aufrecht sitzen können. Die Zwillinge werden etwa drei Monate in Ungarn bleiben.