Genuss
12.04.2018

Silbermedaille für Wurst aus Abfall

© Bild: ZDF/Screenshot

Die ZDF-Sendung "Frontal 21" ließ eine gepanschte Wurst aus Abfall herstellen: Bei einer Verkostung erhielt diese Silber.

Sie hat nur neun Prozent Fleischanteil und darf sich dennoch Wurst nennen: Die ZDF-Sendung "Frontal 21" beauftragte einen ehemaligen Lebensmittelkontrollor mit der Herstellung einer Schummelwurst aus Lebensmittel-Abfällen, anschließend schickte die Redaktion die Geflügelwurst aus neun Prozent Fleisch, 27 Prozent Wasser und 46 Prozent Separatorenfleisch  bei Letzterem handelt es sich um Schlachtabfälle aus der Fleischproduktion – an die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) zur Verkostung.

Überraschendes Ergebnis: Die DLG prämierte die gepanschte Wurst aus Fleischabfällen mit der Silbermedaille. Freilich handelte es sich bei den Prüfern um eine sensorische und geschmackliche Verkostung, die wahren Zutaten wurden den Testern verschwiegen. Was ist so schlimm an sogenanntem Separatorenfleisch? Der "Knochenputz" stammt von maschinell grob ausgelösten Knochen und hat keine Fleischstrukturen mehr, da er unter hohem Druck mechanisch (Hart-Separator) von den Knochen gelöst wird. Rechtlich gesehen also kein Fleisch. Die ZDF-Journalisten ließen der Wurst zudem ein handelsübliches Pulver aus Schlachtblutplasma beimengen, um die hohe Wasserzugabe zu kaschieren.

Die Wurst hatte übrigens einen Materialwert von 59 Cent pro Kilogramm, Supermarktketten hätten rund sieben Euro dafür verlangt.

Wie konnte eine gepanschte Wurst ausgezeichnet werden?

© Bild: ZDF/Screenshot

Wie der ZDF berichtet, trage laut DLG der Lebensmittelhersteller die Verantwortung für seine Produkte. Hätte die Organisation vom Separatorenfleisch gewusst, sei das Produkt bei der Qualitätsprüfung von vorneherein ausgeschlossen gewesen. Warum die gepanschte Wurst nicht auffiel, sondern mit Silber prämiert wurde, konnte die DLG nicht erklären.

Die Gewinnung von Separatorenfleisch von Rindern, Schafen und Ziegen ist seit dem BSE-Skandal EU-weit verboten. Allerdings ist der Einsatz von Separatorenfleisch aus Schweine- oder Putenfleisch generell erlaubt. Prinzipiell ist anzumerken, dass Separatorenfleisch nicht gesundheitsschädlich ist und nur die Industrie betrifft, da der maschinelle Aufwand für einen kleinen Fleischer viel zu groß wäre. Wird solches verwendet, muss es auf der Zutatenliste angegeben werden.

In Österreich gelten "Formfleischerzeugnisse, die Faschiertes, Brät oder Separatorenfleisch enthalten", als verfälscht. Laut Österreichischem Lebensmittelbuch wird für den "Nachweis von Separatorenfleisch" unter anderem die "Zahl der histologisch nachweisbaren Knochteilchen" herangezogen: "Werden in je 10 Schnitten nicht mehr als 3 Knochenteile gefunden wird dies als Zufallsbefund angesehen und gilt nicht als Nachweis". Kritiker wie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch gibt im ZDF jedoch zu bedenken, das mit modernen Methoden gewonnene Separatorenfleisch im Endprodukt nicht mehr nachweisbar sein muss.

"Frontal 21" hat alle verarbeitenden Betriebe in Deutschland wegen des Einsatzes von Separatorenfleisch angefragt: Kein Unternehmen wollte offenlegen, in welchen Produkten der billige "Knochenputz" landet.