Bowls werden geschätzt, weil sie vielseitig, optisch ansprechend und noch dazu gesund sind. Das passt in unsere Zeit.

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Genuss
03/31/2019

Bowl im Trend: Die Schüssel zum Glück

Ein Trend – und kein Ende: Essen aus Schalen ist beim jungen Publikum angesagter denn je.

von Gabriele Kuhn, Ingrid Teufl

Poke Bowl, Buddha Bowl, Smoothie Bowl (von der böse Zungen behaupten, es handle sich um Babybrei für Erwachsene): So heißt jetzt der Schlüssel zum Glück. Oder eben die Schüssel zum Glück.

An den Schalen mit Essen drin kommt heute fast keiner mehr vorbei, sie fegten sogar die angesagten Einmachgläser vom Tisch. Die hawaiianischen Poke Bowls gelten gar als „neues Sushi“. Spätestens seit Prinz Harry und Meghan Schüsselgerichte bei ihrer Hochzeit servierten, ist der „All-in-one“-Schmaus auf Gemüse- und Fischbasis in aller Munde. Gerne auch mit Nudeln, oder in Creme-Form zum Frühstück. Das Geheimnis der „Buddha Bowl“ wiederum ist eine Basis aus Salat mit Kohlenhydraten, Gemüse, Proteinen, gesundem Fett sowie Früchten.

Seit etwas mehr als drei Jahren delektieren sich Menschen nun schon an den hübsch arrangierten Schalen, die sich natürlich auch als Foto in den sozialen Medien gut machen. Bowls haben den Gaumen und die Gastroszene erobert – kein Ende in Sicht. So eröffnete in Wien erst vor Kurzem das Lokal „Plein“ des Ex-Fußballers Rubin Okotie. Als Herzstück gelten dort die „Main Bowls“ mit Fleisch, Fisch oder vegan.

Variationsmöglichkeiten gibt es viele: Ob Rohkost, Fleisch, vegan oder schlicht Reis mit Soße – mit einer Bowl lassen sich viele Geschmäcker und Vorlieben befriedigen. Durch die Zusammensetzung aus Stärkeanteil (Reis, Quinoa, Erdäpfel, etc), Gemüse und Eiweiß (Lachs, Huhn, Tofu, etc.) samt Soße und Topping schmecken sie nicht nur gesund, sondern lassen sich auch gut vorbereiten.

Es war alles schon da

Geschätzt wird also nicht nur die Vielseitigkeit des Gerichts, sondern auch dessen Unkompliziertheit: „Wir leben in einer Ära, in der sich die Hauptmahlzeiten verschieben. Menschen essen unter Zeitdruck, da verzichtet man gerne auf die Vor- und Nachspeise. Bowls sind sowohl eine Mini-Mahlzeit als auch ein guter Ersatz für ein Hauptgericht“, sagt Hanni Rützler.

Die Promi-Köchin Nigella Lawson würdigte die Bowls in ihrem Buch „Simply Nigella“ gar als „Kurzschrift fürs Essen, das gleichzeitig beruhigend, stärkend, nährend und anspruchslos ist.“ Dazu kommt eine gewisse Dramaturgie – wie Zutaten in den Schalen arrangiert werden und optisch ansprechend wirken. Das Auge isst mit.

Kreationen und Strömungen

Essen in Schüsseln ist – wie so viele Trends in der Gastronomie – nicht Neues. Richard Kaegi, Food Scout aus der Schweiz, schrieb dazu Folgendes in seinem Blog: „…und das scheinen diejenigen, welche ihr Leben entlang von Acai und Poke-Bowls, Ramen, Sharing-Diät und Steinzeit aufreihen, zu übersehen: Alles, was vermeintlich neu ist, was einfallslose Gastronomen und Händler sogar gerne als eigene Kreationen und Strömungen preisen, was Journalisten und Influencer noch Tage nach (Gratis)-Testessen aussehen lässt, als wären sie beim Orgasmus vom Blitz getroffen worden und in ihren Postillen von noch nie Dagewesenem schwadronieren: Es war alles schon da.“

Und trotzdem macht das bereits Dagewesene viele Menschen glücklich. „Was die Nahrungsaufnahme betrifft, ticken wir im weitesten Sinne noch urzeitlich. Essen aus Schüsseln führt gewissermaßen zurück zu den Wurzeln, zum Ursprünglichen. Man denke dabei an die bäuerliche Bevölkerung, an die Großeltern und Urgroßeltern, die einst alle aus einem großen Topf oder einer Schüssel in der Mitte des Tisches gegessen haben,“ sagt Karin Lobner. Was so heimelig und vertraut wirkt, löst positive Gefühle aus. So betrachtet, steckt die Lust am Schüsselschmaus vielleicht auch in unseren Genen.

Bowl-Vielfalt

Wer weiß, vielleicht liegt ja der Ursprung des Schüssel-Trends in den USA, wo man vor zirka zehn Jahren in einem Tex-Mex-Lokal begann, mittags Burritos in einer Schüssel zu servieren. Die Burrito-Bowl ward geboren.

Was hat es aber nun mit den  beliebten Buddha-Bowls auf sich? Nun, man weiß es nicht so genau. Oft heißt es, die runde Schüssel erinnere an Buddhas dicken Bauch. Doch viel wahrscheinlicher wurzelt die Idee im kontemplativen Essen nach zen-buddhistischer Tradition: Ōryōki, was so viel heißt wie „Behältnis für die angemessene Menge“. Der Mönch soll genug haben, aber nicht völlern. Man isst achtsam, still und aus Schüsseln in einer bestimmten Größe. Die große Hauptschale symbolisiert den Buddha Shakamuni und darf nicht mit den Lippen berührt werden.

Zu den Poke Bowls, die hawaiianischen Ursprungs sind, erzählt man sich  gerne eine Legende. Angeblich wurde sie von Fischern erfunden, die den frisch gefangenen Fisch roh in Stücke schnitten, mit Sojasauce, Reis und Sesam vermengten, dazu kam Gemüse. Poke gilt als traditionelle Nationalgericht in Hawaii. Es ist ein Mix aus der Küche Japans und der US-Westküste.   

Mittlerweile gibt es unzählige Bowl-Varianten – Smoothie-Bowl, Nicecream-Bowl (bei der geeistes Obst zu Creme gemixt wird) oder aber Nudel-Bowls, mit Reisnudeln als Basis.

Rezepte: Karotten-Quinoa-Bowl

Kraftspendend: Eine runde Portion Energie

Zutaten für 2 Schüsseln:

180 g Quinoa,  2 Karotten, 4 kleine Paradeiser, 1/2 Fenchel, 2 Avocados, 2 Pak Choi-Blätter, 1 Handvoll gemischter Salat, 2 TL Olivenöl, 2 TL Zitronensaft, etwas Meersalz, Zitronenpfeffer, 2 EL Sesampaste, 4 EL Sauerkrautsaft, 2 Spiegeleier, 2 TL schwarzer Sesam.

Zubereitung:
Quinoa waschen und mit einer Prise Salz sowie  einer Tasse Wasser zum Kochen bringen. Alles 15 Minuten köcheln lassen, dann in eine große Schüssel geben, abkühlen lassen. Nun die Karotten in feine Scheiben und die Paradeiser vierteln. Den Fenchel ebenfalls sehr fein, am besten in Streifen, schneiden. Die Avocados würfeln, den Pak-Choi hacken. Die Zutaten mit dem Salat in eine Schüssel geben. Mit Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Zitronenpfeffer vermengen. Inhalt auf zwei Schüssel aufteilen. Etwas Sesampaste und Sauerkrautsaft zugeben, jede Schüssel mit einem Spiegelei servieren, mit schwarzem Sesam bestreuen.  

Klassische Poke-Bowl Hawaiianisch

Das nationale Schüsselgericht

Zutaten für 4 Bowls als Hauptgericht:

250 g Sushireis, 500 g Thunfisch (Sashimiqualität), 2 EL Shoyu, 1 TL Sesamöl, 3 fein geschnittene Frühlingszwiebel. 1 daumengroßes Stück frischer Ingwer, gerieben.  
Mögliche Toppings, zum Beispiel: 2 geschnittene Chilis, 1 gewürfelte Avocado, 1 Esslöffel Edamame, div. Blüten und Samen.  

Zubereitung:
Sushireis kochen, Thunfisch in kleine Stücke schneiden. Shoyu, Sesamöl, Frühlingszwiebel, Ingwer in eine Schüssel geben und mit dem Fisch vermischen. 15 Min. stehen lassen. Reis in eine Schüssel geben, dazu kommt die Fisch-Zwiebel-Mischung. Nun mit einem gewünschten Topping garnieren (siehe vorher).   Dazu passt etwa eine Wasabi-Creme, für die man 125 Sauerrahm, 3 EL Crème fraîche, 2 TL Wasabipaste, 1 TL leichte Sojasauce und den Saft einer Zitrone vermischt. Eine Stunde stehen lassen, dann verwenden. (Rezept aus dem Buch „Island Poke“, James Porter)

Bunte Bowl für Kinder

Farbenfroh: So haben auch Gemüsemuffel Spaß

Zutaten für eine Schüssel:

100 g Kidneybohnen. 100 g Kichererbsen, 50 g Quinoa Tricolore (z. B. von Davert, gibt es im Reformhaus), 1 Handvoll Feldsalat oder junger Spinat, 1/2 Avocado, 2 Radieschen, 1 EL Sonnenblumenkerne. Für das Dressing braucht  man: 2 EL Olivenöl, 1 TL Tahin-Sesampaste, 1 TL Agavendicksaft, Saft einer Orange, etwas Salz.

Zubereitung:
Quinoa nach Packungsanleitung weich kochen. Salat oder Spinat gut waschen. Avocado halbieren und entkernen. Die Radieschen gut waschen, dann in sehr dünne Scheiben hobeln. Die ganzen Zutaten in einer Schüssel nebeneinander schön schlichten. Nun die Zutaten für das Dressing mixen, mit etwas Salz abschmecken. Das Dressing über die Bowl geben – das Ganze kann man, je nach Geschmack mit Sonnenblumenkernen, gerösteten Erdnüssen oder etwa Sesam bestreuen.   

Wichtig: Gerade für Kinder muss die Schüssel besonders nett und bunt sein.

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