Guy Ritchies Sherlock Holmes rockt als wilder Jungspund London
Guy Ritchie erfindet Sherlock Holmes ein weiteres Mal neu: „Young Sherlock“, die ungestümen Jugendjahre des Meisterdetektivs.
Der Start war bereits vielversprechend. Mehr als 223 Millionen Mal wurde der erste Trailer von „Young Sherlock“ angeklickt, und das innerhalb von nur einer Woche. Rekord – damit ist er der meistgesehene Serientrailer in der Geschichte von Amazon Prime. Der berühmteste Detektiv der Welt zieht immer noch – und daran ist zu einem guten Teil Guy Ritchie schuld.
In der Literaturgeschichte ist Sherlock Holmes eine Legende: Niemand kombiniert so schnell wie er, die Fähigkeit zu logischem und analytischem Denken ist so ausgeprägt wie bei keinem anderen, und nur er zieht daraus so geniale Schlüsse, die zur Überführung eines Bösewichts führen. Ersonnen hat den Mann aus der 221B Baker Street in London Arthur Conan Doyle, ebenso wie Holmes’ charakteristische äußere Merkmale: Pfeife und Deerstalker-Kapperl, eine sehr uncoole Jagdmütze mit Augen- und Nackenschirm sowie Ohrenklappen.
All das kennt so gut wie jedes Kind auf der Welt. Doch dann kam Guy Ritchie. Und erfand den smarten Sherlock irgendwie neu. Klar, der legendäre Basil Rathbone hatte ihm in den Vierzigerjahren ein klassisches Profil gegeben – elegant, kühl und kontrolliert. Benedict Cumberbatch spielte Holmes mit Verve und blendend gelaunter Arroganz.
Aber erst Regisseur Ritchie, der mit kratzbürstigen, rasant inszenierten Gangsterreigen wie „Bube, Dame, König, grAS“ oder „Snatch – Blut und Diamanten“ (mit Brad Pitt) aufgefallen war, machte aus Sherlock frech einen Actionhelden. Robert Downey jr. verlieh ihm 2010 sein Charisma, düster und mysteriös, witzig und überaus lasterhaft. Die Romane von Doyle dienten Ritchie nur als lose Vorlage. Dafür gab es coole Fights, Rock-’n’-Roll-Sound, schnelle Schnitte und gaaanz viel Zeitlupe.
Von „Harry Potter“ zu Sherlock
Jetzt erfindet Guy Ritchie den Meisterdetektiv ein weiteres Mal neu. Wie wurde Holmes der, der er ist? Das zeigt „Young Sherlock“ in acht Folgen, und wieder zeichnet Ritchie ihn als rebellischen, ungestümen Draufgänger. Wir sehen, wie er als Student in Oxford auf Moriartry trifft, sie intellektuell ebenbürtig sind, sie Freunde werden und warum später zu Erzfeinden.
Hero Fiennes Tiffin als "Young Sherlock": "Regelrecht besessen" von der Vorgänger-Serie mit Benedict Cumberbatch
©AmazonDazu soll ihm ein Mord in die Schuhe geschoben werden, er ermittelt in seinem ersten Fall – und sieht sich gleich mit einer weltweiten Verschwörung konfrontiert. Alles ist angerichtet für ein vergnügliches Binge-Watching: Schüsse, Explosionen, Prügeleien, untermalt von treibenden Beats im viktorianischen England – und einer spannenden Besetzung. Hero Fiennes Tiffin, der schon mit elf Jahren in „Harry Potter und der Halbblutprinz“ spielte, gibt den Sherlock. Seinen Vorgänger Downey Jr. fand er großartig, von Cumberbatch und der BBC-Serie war er einst jedoch „regelrecht besessen“, wie er zugibt.
Geholfen dabei, seine eigene Version der Figur zu finden, hat ihn aber weniger das, „sondern alles, was ich über Sherlock gelesen habe“. Seine Methode: „Wenn man eine jüngere Version einer etablierten Figur spielt, muss man rückwärts arbeiten“, ließ Fiennes Tiffin verlautbaren. „Begonnen habe ich damit, zu entwickeln, wie sehr er sich später noch verbessern wird – seine Fähigkeit zu kombinieren und zu analysieren.“
Das Teamwork mit Guy Ritchie kam dem Schauspieler dabei entgegen. Was offenbar auch an der Interpretationsfreiheit liegt, die sich beide gegenüber dem Drehbuch offenhalten. „Sich die Freiheit zu nehmen, Dinge am Drehtag selbst zu verändern und zu verbessern – ich habe Spaß daran, Guy hat Spaß daran“, gibt Fiennes Tiffin unumwunden zu.
Mit Colin Firth, prämiert mit dem Oscar für „The King’s Speech“, und Natascha McElhone („Californication“) ist der Cast hochkarätig. James Moriartry wird vom irischen West-End-Schauspieler Dónal Finn dargestellt. Ein Detail sticht aber besonders ins Auge: Mit Joseph Fiennes („Shakespeare in Love“) ist Heros Onkel mit von der Partie – als Sherlocks Vater.
„Für mich ist er sowohl Onkel Joe als auch Joseph Fiennes, der großartige Schauspieler.“ Auch mit seinem noch berühmteren Onkel Ralph Fiennes („Schindlers Liste“) stand er bereits vor der Kamera: In „Harry Potter“ gab Ralph den furchterregenden Lord Voldemort – und sein Neffe dessen Version in jung. Als jugendlicher Sherlock tritt Tiffin Fiennes nun aus dem Schatten seiner berühmten Onkel. Der Erfolg bleibt ziemlich sicher in der Familie.
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