Thomas Mraz

Bühne und Buch: Diese Literatur liebt Kabarettist Thomas Mraz

Sein erstes Solo-Kabarett „Mraz F1st“ ist ein Erfolg mit hoher Pointendichte. Beim Lesen dürfen es durchaus ernste Töne sein.

Eine klassische Leseratte, sagt Thomas Mraz, war er nie. Das begann erst als Teenager, die Einstiegsdroge: Schocker von Stephen King, „von ihm habe ich alles gelesen“, später die Epen von John Irving. Im Moment schmökert Mraz gerne in Sachbüchern – der Hang zur Wandlungsfähigkeit begleitet ihn nicht nur bei Büchern, sondern auch im Beruf. 

In „Hamlet“ auf der Bühne spielte er ebenso wie in Serien wie „Vorstadtweiber“ oder Kinokomödien wie „Aufputzt is’“. Mit Michael Niavarani oder Klaus Eckel stand er als Sidekick auf der Kabarettbühne. 

Nun schenkte er sich zum Fünfziger ein Solo-Programm. „Es kreist vor allem um das Kernproblem der Gesellschaft, den Egoismus“, erklärt er. „Wir entfernen uns immer weiter vom kooperativen Handeln, es herrscht nur noch das Ich, Ich, Ich, und moralische Instanzen sucht man vergeblich.“ Klingt ernst, ist aber sehr lustig geworden.

Thomas Mraz
©Privat

Europa first

Wobei: dystopische Themen mag Mraz. Siehe „1984“ von George Orwell. „Damals eine düstere Zukunftsvision, heute im Zeitalter der alternativen Fakten aktuell wie nie zuvor.“ Den Klassiker über einen totalitären Überwachungsstaat hat er in seinen Zwanzigern gelesen, seine Wirkung hält bis heute.

Politisch durchwirkt ist auch „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse. „Der Roman bringt die aktuelle Unmöglichkeit von Europa perfekt auf den Punkt“, so Mraz, „dabei wäre ein geeintes Europa gerade jetzt so wichtig.“ Das Buch ist für ihn eine kritische Bestandsaufnahme der EU und gleichzeitig ein Plädoyer dafür.

Das dritte Buch aus seiner Bibliothek, das der Schauspieler empfiehlt, ist ein Sachbuch: „Gemeinwohl-Ökonomie“ von Christian Felber. Einst arbeitete Mraz als Inhouse-Grafiker an der Wiener Börse. Das Buch hat ihm eine Kollegin empfohlen, darauf begann er sich intensiver mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen. „Ein inspirierendes Werk – zwar eine Utopie, aber eine Utopie zu haben, ist ja nichts Schlechtes.“

Die Bücher im Überblick:

  • George Orwell: „1984“ – Klassiker über das Leben im Überwachungsstaat und ein Paar, das sich verbotenerweise verliebt
  • Robert Menasse: „Die Hauptstadt“ – EU-Roman über die Europäische  Kommission
  • Christian Felber: „Gemeinwohl-Ökonomie: Das alternative Wirtschaftsmodell für Nachhaltigkeit“ – Kooperation statt Kampf
Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

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