Reality-TV-Show „Love Overboard“
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Warum Reality-TV boomt und was die neuen Trends sind

Das schaut doch keiner? Irrtum! Reality-TV boomt in der Streaming-Ära. Angesagt sind Dating und Survival.

Es muss nicht immer Arte sein. Dieses Drama war selbst der ehrwürdigen New York Times einen langen Artikel wert. Tatort: Das „Summer House“ (in Österreich über Amazons Reality-TV-Kanal Hayu zu sehen), in dem eine Gruppe Freunde eine Bleibe in den Hamptons teilt. Die Teilnehmer Amanda Batula und West Wilson sorgten da kürzlich für einen handfesten Skandal. Es geht um nichts weniger als Verrat unter (besten) Freunden: Beim neuen Liebespaar war er zuvor mit einer anderen zusammen – nämlich ihrer besten Freundin. Ein Vertrauensbruch, der die Fans in Schock versetzte, in einer Serie, die sonst so gerne weibliche Freundschaft ausstellt – und ein Quotenhit sondergleichen.

Ob zehn Staffeln „Summer House“, „The Real Housewives“ oder „Keeping Up With The Kardashians“, Realityshows schaut man peinlich beschämt längst nicht mehr heimlich an. Sie sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, über die Emotionen und Dramen wird herzhaft diskutiert. Immer mehr Shows schießen aktuell aus dem Boden, und das hat seinen Grund: Die Streaming-Riesen haben Unscriptet Content für sich entdeckt, weil es billig zu produzieren ist, das Publikum bindet und global verwertbar ist. Die Folge: Sie investieren massiv in das Reality-Genre.

Internationale Franchises

Mit „Love Is Blind“ etwa ist Netflix ein Riesenerfolg gelungen. Die Datingshow, bei der Singles erst nur in getrennten Räumen Gespräche führen (ohne sich zu sehen), und erst treffen dürfen, wenn sie sich verlobt haben, bevor sie am Traualtar über das fixe Ja oder Nein zueinander entscheiden, ist (wie auch „Too Hot to Handle“, wo Singles auf Sex verzichten müssen, um ans Preisgeld zu kommen) zum internationalen Franchise mutiert. Versionen davon gibt es in zwölf Ländern, etwa in Brasilien, Japan und Schweden.

Staffel sechs war die erfolgreichste und kam auf 253 Millionen gestreamte Stunden weltweit. Die Fans diskutieren dann die neuesten Folgen eifrig auf Social Media, zusätzlich gehen Clips und Memes viral – ein zusätzlicher Bonus für die Streamer im TikTok-Zeitalter. Eine weitere Folge davon ist, dass Influencer gleich selbst zu Streaming-Stars werden – so wie YouTube-Star Mr. Beast und seine Reality-Spielshow „Beast Games“.

Was im Trend liegt

Die Trends, die derzeit das Reality-TV bestimmen, sind Dating, Wettbewerbe und Survival-Elemente – was teilweise fröhlich miteinander kombiniert wird, weil die Spannung sich so bestens zuspitzen lässt. Und führt zu immer ausgefeilteren Genre-Blüten.

Bei „Love Overboard“ (Disney+) etwa daten Singles auf einer Luxus-Yacht, müssen aber auch putzen – und andere Paare auseinanderbringen, um weiterzukommen. Bei „The 50“ (Amazon Prime) treten in Staffel drei 50 deutsche Reality-Stars à la Mario Basler in Spielen gegeneinander an, es geht um Strategie und soziale Dynamiken. Und im August soll auf Disney+„Yacht Deals Monaco“ starten, hier kämpfen acht Teilnehmer um einen Platz im Team von zwei erfolgreichen Yacht-Brokern. Der Reality-Boom geht weiter, Staffel für Staffel.

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

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