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Pop und Plastik: Wie Verner Panton den Wohnstil revolutionierte

Der Architekt und Designer würde heuer seinen 100. Geburtstag feiern. Seine Möbel sind nach wie vor Bestseller. Wie er mit Form und Farbe einen neuen Wohnstil prägte.

Schon 1967 sorgte ein Möbelmaterial für Diskussionsstoff: Plastik. Nämlich als der Däne Verner Panton, als einer der ersten Designer, Kunststoff als Hauptmaterial für Möbel einsetzte und daraus, u. a. gemeinsam mit dem Möbelhersteller Vitra, futuristische Möbel formte. Verner Panton experimentierte mit formgepresstem Kunststoff, der industriell produziert wurde und somit auch günstiger war. Mit dem legendären Panton Chair gelang ihm damals der internationale Durchbruch. 

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Der legendäre Panton-Chair, bei Vitra, in vielen Farben erhältlich, ab 359 €

©Verner Panton Design AG/vitra

Kate Moss posierte übrigens in den 1990er-Jahren nackt für das Vogue-Cover auf einem solchen und verhalf dem Stuhl zu erneutem Ruhm. Der erste Freischwinger aus einem einzigen Stück gegossenem Polyester ist bis heute ein Bestseller. Überhaupt scheinen die Leuchten, Möbel und Wohnaccessoires von einem der berühmtesten Möbeldesigner des 20. Jahrhunderts kein Datum zu kennen. Vielleicht auch deshalb, weil sich Panton nicht nur für Möbel interessierte. Er wollte vor allem, dass sich die Menschen in ihren Wohnräumen wohlfühlen. 

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Der Architekt und Design-Visionär Verner Panton (1926–1998) 

©Verner Panton Design AG/vitra

Dass sein zeitloser Anspruch aufgeht, zeigen die zahlreichen Reeditionen seiner Entwürfe, die bis heute in sämtlichen Möbelhäusern erhältlich sind und von Herstellern wie Vitra, &Tradition, Verpan, Montana Furniture oder Louis Poulsen in Zusammenarbeit mit der Verner Panton Design AG erzeugt werden.

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Tischleuchte Flower Pot (auch in anderen Größen und Farben und als Deckenleuchte erhältlich) von 1968, bei Connox, 138 €

©Hersteller

Wie etwa die zeitlose Leuchte Flower Pot (1968), die dynamische Wohnskulptur Living Tower (1968), die man auf vier Ebenen nutzen kann, oder seine Onion-Designs, die er zu Leuchten und Teppichen verarbeitete.

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Teppich Onion, 3.618 €, über https://einrichten-design.at

©Hersteller

Auch sein herzförmiger Cone Chair, entworfen 1958 für das dänische Restaurant Kom-Igen, wurde anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums von Vitra in zwei Blautönen neu aufgelegt.

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Reeditions in Gelb Cone-Chair, 2.480 €, bei Vitra, https://vitra.com

©Hersteller

„Man sitzt auch viel besser auf einem Sessel, dessen Farbe man mag“, soll Verner Panton gesagt haben.

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Space Age  1963 Easy Chair für Verpan, 3.917 €, über https://eyeondesign.at

©Hersteller

Das Zuhause der Zukunft

Der Däne revolutionierte mit seinen außergewöhnlichen Entwürfen die Wohnkultur der 1960er-Jahre, die etwa vom zurückhaltenden dänischen Stil von Arne Jacobsen maßgeblich beeinflusst war. Prägte das Interior der Wohnzimmer in den 1950er-Jahren noch Materialknappheit und der Wunsch nach Gemütlichkeit, blickte man in den 1960er-Jahren in die Zukunft: Im Mittelpunkt standen Funktionalität, Modernität, kräftige Farben und Materialforschung.  

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Space-Age Form Amoebe, ab  2.449 €, über Vitra  

©Marc Eggimann/Verner Panton Design AG

Da kamen die visionären Entwürfe von Panton zur rechten Zeit: Er beeinflusste mit geometrischen Mustern, Kunststoffmöbeln und mutigen Farben auch das „Space Age“ der 1960er- und 1970er-Jahre, gemeinsam mit Joe Colombo oder Eero Aarnio. Denn obwohl Panton zwei Jahre im Büro von Arne Jacobsen arbeitete, wandte er sich vom Stil des damals üblichen dänischen Funktionalismus mit dem typischen Mid-Century-Design und Materialien wie Teak- und Palisanderholz ab.  

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Mobiler Hocker 1970 Visiona Stool, 655 €, bei Vitra 

©Verner Panton Design AG/vitra

Poppiges Gesamterlebnis

Er revolutionierte den Wohnstil der Sixties, mit Lichtstimmungen, die Emotionen hervorrufen sollten. Und mit poppigen Farben und Möbelformen, die mit alten Gewohnheiten brachen: Die modularen, bunten, Schaumstoffelemente hatten ungewöhnliche, organische, futuristische Formen und wirkten dank ihrer poppigen Farben wie künstlerische Skulpturen.

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Schaumstoffmöbel  Welle 1, ab  2.070 €, bei Verpan

©Hersteller

Panton wollte zudem mit den üblichen Gebrauchsfunktionen brechen: Die Schaumstoffmöbel der 1970er-Jahre waren als Landschaften zum Sitzen oder Liegen gedacht. Seine Räume in lebendigen Mustern und Pop-Farben waren in den 1960er-Jahren ein Gegenentwurf zum skandinavischen Wohnstil. Durch ihre Buntheit wirkten sie wie ein Gesamtkunstwerk, in dem man wohnen konnte. 

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Ewiger Klassiker: CONE Heart Chair, ab ca. 6.620 €, bei Vitra 

©Marc Eggimann/Verner Panton Design AG

„Farbe ist wichtiger als Form“, war Pantons Motto. Deshalb setzte er sie bewusst ein: Rot lässt etwa das Herz schneller schlagen, Blau wirkt beruhigend. Wie die Blau-, Rot-, Gelb- und Violetttöne der Fantasy Landscape von 1970, der heute bekannteste Teil der Ausstellung und des Gesamtkunstwerkes, Visiona II. Die futuristische Innenrauminstallation war ein Ausstellungsentwurf für die Firma Bayer AG und folgte auf seine Living Towers von 1968. In diesen Rauminstallationen der Postmoderne verschmolzen Farbe, Form und Kunststofftechnologie zu einem einzigen Wohlfühl-Gesamterlebnis.  

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Psychedelisch: Pantons Kantine für den Spiegel-Verlag von 1969 steht heute im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg

©mauritius images / Alamy Stock Photos / Dorit Martens/Alamy Stock Photos/Dorit Martens/mauritius images

Das realisierte Panton auch 1973 mit dem Verlagshaus Gruner & Jahr in Hamburg, sowie mit dem Spiegel-Verlagshaus 1969, mit der Spiegel-Kantine in Gelb-Orange-Tönen, Spiegel-Lamps und Flower-Pot-Leuchten.

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Leuchte Wire für Verpan, 939 €

©Hersteller

Doch die immersiven Pop-Art-Farben beim Lunch waren damals nicht jedermanns Sache. Heute steht die originale Spiegel-Kantine im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Im Mai feiert das Vitra Design Museum in Zusammenarbeit mit Verner Panton Design AG  den 100. Geburtstag des Architekten und Designers mit einer Ausstellung.

Florentina Welley

Über Florentina Welley

Mag. Florentina Welley schreibt seit 2006 als Lifestyle-Autorin über ihre Lieblingsthemen: Mode, Reise, Design und Kunst. Darüber hinaus konzipiert sie Shootings, kuratiert auch Kunst- und Designevents. Auch Film-Erfahrung hat sie, etwa als Co-Produzentin für den Spielfilm „Die toten Fische“, darüber hinaus ist sie in Werbung und Medien bekannt für Konzepte, Textierungen jeden Genres und Modeproduktionen samt Styling, Regieassistenz, Ausstattung und Kostümbild.

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