Kabarettistin Malarina: „Mein Regal ist eine Dauerbaustelle“
In meiner Bibliothek gibt es kaum Prestige-Bücher, die man hinstellt, weil sie gut aussehen“, sagt Marina Lacković, die den meisten als Malarina bekannt ist. Die Zeiten, als sie noch Bücher zum Herzeigen hatte, hat sie seit ewig hinter sich gelassen, einige solcher Exemplare sind höchstens noch in der Wohnung verstreut: „ein paar im Schlafzimmer, eines im Bad und noch ein paar am Klo.“
Bücher und Efeu: eine gute Geschichte
Die Serbin will Erbin werden
Kabarettistin wollte Marina Lacković eigentlich nie werden, doch längst zählt die gebürtige Serbin zu den prämierten Größen der Szene: Österreichischer Kabarettpreis, Salzburger Stier und Deutscher Kleinkunstpreis sprechen für sich. Ab 11. September ist sie mit ihrem aktuellen Programm „Trophäenraub“ wieder im Stadtsaal zu sehen. Das Thema in einem Satz: „Die Serbin will Erbin werden“. Der Zungenschlag geht dabei von Serbisch über Derb-Wienerisch bis zum Hietzinger Idiom. Mit Puff-Puff, Bling-Bling und Zappzarapp könne man die Weltherrschaft an sich reißen, heißt es da. Und dieser Mischmasch verschiedener Welten unterhält eben auch das Publikum.
Gibt es einen Lieblingsleseplatz? Ja, klar!
Beste Sommerlektüre Barbi Marković
Gut unterhalten ist auch, wer vor ihrem Buchregal steht. Denn auch dort findet Unterschiedliches zusammen: Feministische Theorie nimmt ebenso viel Platz ein wie Bücher über Migration, Identität oder gesellschaftliche Fragen. Dazu österreichische Gegenwartsautorinnen wie Barbi Marković, Lydia Haider, Stefanie Sargnagel oder Martina Hofer, daneben Daniel Wisser oder Daniel Glattauer mit seinem E-Mail-Roman „Gut gegen Nordwind“.
Besonders ans Herz legt uns Marina Lacković „Minihorror“ von Barbi Marković. „Das Buch ist absurd, komisch und gleichzeitig erstaunlich präzise darin, den alltäglichen Wahnsinn einzufangen.“ Es liest sich leicht, bleibt aber lange im Kopf. „Genau die Art von Sommerlektüre, nach der man glaubt, die Welt kurz besser verstanden zu haben.“
Inspiration fürs Kabarett
Für ihr aktuelles Kabarettprogramm „Trophäenraub“ war ein Sachbuch entscheidend: „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler. Darin erzählt die Autorin von Frauen, deren Leistungen aus der Geschichte verschwanden oder anderen zugeschrieben wurden. „Beim Lesen merkt man schnell, dass viele Geschichten, die wir für selbstverständlich halten, nur deshalb selbstverständlich geworden sind, weil andere nie erzählt wurden.“
Lydia Haider (z. B. „Du Herbert“), hingegen beeindruckt sie mit einer Sprache, die unbequem sein darf und trotzdem einen Sog entwickelt. „Mein Regal ist keine Bibliothek, sondern eine Dauerbaustelle“, so die Kabarettistin. Garniert sind ihre Bücher mit Post-its, Eselsohren und Bleistiftmarkierungen, überwuchert wird das Ganze von einer Efeutute „als würde sie sich nicht um Ordnung scheren“. Genau das gefällt Marina Lacković, Bücher werden auch nicht nach Farben oder Alphabet sortiert, sondern danach, ob sie gerade gebraucht werden: „Etwa für eine Recherche oder weil ich nachts um halb eins noch unbedingt wissen will, wie jemand einen Gedanken zu Ende formuliert hat.“ Und so verschwinden auch viele Exemplare wochenlang auf dem Schreibtisch oder im Tourkoffer und kehren erst irgendwann wieder zurück. „Es ist mein Archiv laufender Gedanken.“
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