Wie gelingt innere Einkehr im stressigen Alltag?
Vom Alltag ausklinken und eine Sanduhr lang abschalten hilft beim Entspannen.
Wir werden ständig durch Einflüsse von außen bombardiert. Umso wichtiger ist, sich zurückzuziehen, sich selbst zu spüren. „Das kann man lernen und trainieren. Es ist etwas Wohltuendes, das uns erlaubt, schwierige Zeiten durchzustehen“, sagt Pater Christian Marte, Superior der Jesuiten in Wien. Seinen Weg zur inneren Einkehr erklärt er in fünf Punkten, die sich leicht in die tägliche Alltagsroutine einbauen lassen.
1. Am Morgen
Den Tag bewusst mit einem Moment der Stille beginnen und ihn zur Routine machen, wie Zähneputzen. Marte empfiehlt, mit drei Minuten täglich zu beginnen und bis zu sieben Minuten zu steigern. „Entweder bin ich in Stille, trinke einen Kaffee oder lese einen Bibelabschnitt“, fängt der Jesuiten-Superior den Tag bewusst an.
2. Vor dem Essen
Vor jeder Mahlzeit empfiehlt Marte innezuhalten. Das kann eine Verneigung sein, ein Kreuzzeichen oder ein Moment der Dankbarkeit für die Speise. „Das ist eine Unterbrechung des Alltagswahnsinns. Nichts Zusätzliches, nichts, was man ,auch noch machen‘ muss, sondern eine Auszeit vom Hamsterrad. Für ihn sei das eine „Routine, die mir wohltut“.
3. Dankbare Rückschau
Am Ende des Tages sollte man sich eine Viertelstunde Zeit nehmen und den Tag Revue passieren lassen und überlegen, wofür man dankbar ist. „Man wird nicht für alles dankbar sein, aber man sollte die Punkte herauskitzeln“, empfiehlt Marte. Manche machen das automatisch, „die machen einen Spaziergang um den Block, die gehen auf den Balkon und rauchen eine Zigarette oder so – für viele ist das etwas Gutes, innerlich den Tag abschließen“.
4. Sonntag
"Der Sonntag ist in der westlichen Kultur die stärkste Unterbrechung des Alltagswahnsinns. Mein Rat ist, den Sonntag zu markieren – durch seine Kleidung, Essen, durch einen Moment der Transzendenz.“
In der katholischen Tradition sei das der Besuch der Eucharistiefeier. Man kann aber auch eine Kerze anzünden oder einen Spaziergang zu einer Kapelle machen. Wichtig sei, den Moment der Transzendenz am Sonntag einzubauen. „Wenn es mir gelingt, den Sonntag zu markieren, ist das für mich ein Ausdruck der Zeitsouveränität.“ Es zeigt, dass man dem Alltagswahnsinn nicht vollkommen ausgeliefert ist.
5. Smiley
„Es ist mir sehr wichtig, wenn wir Kinder Gottes sind, dass man das an unserem Gesicht sieht“, schließt der Jesuiten-Superior. „Das ist auch eine Unterbrechung und führt mich aus dem Alltagsstress.“ Lächeln und innere Einkehr mache nicht nur etwas mit einem selbst, sondern auch mit dem Gegenüber. Wichtig sei jedoch, dass es dabei nicht darum geht, anzugeben, sondern in der eigenen Mitte zu ruhen.
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