Colorful Wildflowers Blooming In Summer.
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Blumenwiese anlegen: Expertin gibt Tipps für den Garten

Wiesen mit Kräutern oder Blumen halten Hitze besser aus und helfen Insekten. Eine Expertin erklärt, worauf es dabei ankommt.

Der getrimmte Rasen war lange das Ideal des gepflegten Gartens: kurz, gleichmäßig, sattgrün – ohne Klee und Löwenzahn. Doch dieses Bild wirkt zunehmend aus der Zeit gefallen. Denn was ordentlich aussieht, ist ökologisch oft verarmt: wenige Pflanzenarten, wenig Nahrung für Insekten, kaum Schutz für Kleintiere.

Vielfalt im Garten

Dabei geht es nicht nur um Idylle. Artenreiche Wildblumenwiesen sind in Österreich selten geworden, die intensive Nutzung von Wiesen, Weiden und anderen Grünflächen setzt der Biodiversität in ganz Europa zu. In den vergangenen Jahrzehnten sind vielerorts Pflanzenarten verschwunden – und mit ihnen die Vielfalt blühender Wiesen.

Wie stark sich die Vegetation an konkreten Standorten verändert, dokumentiert etwa das europäische Forschungsprojekt „ReSurveyEurope“, das historische und aktuelle Pflanzenaufnahmen zusammenführt. Es zeigt, dass sich Europas Pflanzenwelt über Jahrzehnte sichtbar verschoben hat.

Ein Garten rettet zwar nicht die Welt, aber er kann ein Ort sein, in dem wieder mehr wachsen, blühen, leben darf. Dafür muss man nicht sofort den ganzen Rasen umgraben. Entscheidend ist, was passt: 

„Hier muss man zwischen einer echten Blumenwiese und einem Kräuterrasen unterscheiden“, sagt Katja Batakovic von „Natur im Garten“. Beide seien wertvoller als der klassische Rasen, erfüllten aber unterschiedliche Funktionen. 

Ein Kräuterrasen bleibt niedriger, wird häufiger gemäht und kann betreten werden. Er ist dennoch deutlich blütenreicher als ein englischer Rasen“, sagt Batakovic. „Darin wachsen Kräuter, von denen Insekten leben. Und wo Insekten sind, finden auch Vögel, Igel oder Spitzmäuse Nahrung.“

Schmetterlingsparadies

Die Blumenwiese legte ökologisch noch eines drauf; „Sie wird höher, bietet mehr Struktur und damit auch mehr Rückzugsräume.“ Das sei für viele Tiere wichtig. Schmetterlinge, beispielsweise, brauchen lockere Wiesen, in denen sie zwischen den Halmen fliegen, Eier ablegen und Raupen aufziehen können.

Der Wandel beginnt meist nicht mit einem Packerl Saatgut, sondern mit weniger Eingreifen. Wenn man nicht mehr jede Woche mäht, sondern nur noch etwa einmal im Monat, entsteht ein Kräuterrasen oft ganz von selbst“, sagt Batakovic. 

Er brauche keine Düngung, müsse nicht vertikutiert werden, standortgerechte Kräuter siedelten sich von allein an. „Konventionell würde man sagen: Der Rasen verunkrautet. Ich würde eher sagen: Er verwildkrautet“, sagt Batakovic.

Länger grün

Ein Beispiel dafür ist Klee. Er gilt vielen als Störfaktor im perfekten Grün, ist aber robust und ökologisch wertvoll. „Klee ist ein Tiefwurzler“, sagt Batakovic. „Er findet auch dann noch Wasser, wenn andere Pflanzen längst vertrocknen. Deshalb bleibt ein Kräuterrasen im Hochsommer oft noch grün, während ein englischer Rasen schon dürr ist.“ Bei Hitze rolle er tagsüber die Blätter etwas ein, am Abend oder am Morgen öffneten sie sich wieder.

„Für kleinere Gärten ist ein Kräuterrasen meist die praktischere Lösung“, sagt Batakovic. „Er ist pflegeleicht, begehbar und lässt sich je nach Nutzung kürzer oder etwas länger halten.“ Eine Blumenwiese brauche hingegen eine gewisse Größe, damit sie optisch wirke. 

Wer trotzdem Blumenwiesenelemente möchte, kann mit kleinen Flächen arbeiten: einem Streifen vor der Hecke, einer Blumeninsel oder einem Randbereich. „Auch fünf Quadratmeter Wiese können ökologisch sehr wertvoll sein“, sagt Batakovic. Wege, Sitzplätze und Spielbereiche dürfen dann gerne kurz gemäht bleiben.

Mäh-Rhythmen

Auch bei der Pflege unterscheiden sich die Varianten. „Gesteuert wird das Wachstum vor allem über den Mähintervall“, sagt Batakovic. Ein Kräuterrasen wird alle zwei bis vier Wochen gemäht, eine Blumenwiese nur zwei- bis dreimal im Jahr. „Bei der Blumenwiese sollte das Mähgut abtransportiert werden, sonst werden die Nährstoffe wieder in den Boden zurückgeführt und die Fläche wird mit der Zeit zur Fettwiese.“ Blumenwiesen mögen es aber mager.

Frage des Standorts

Geduld gehört dazu. Wer eine Samenmischung ausstreut, sollte nicht erwarten, dass nach vier Wochen die Almwiese vor der Haustür steht. Viele Wildkräuter keimen nicht sofort“, sagt Batakovic. „Manche brauchen Monate, manche sogar einen Winter. Sie warten gewissermaßen auf den richtigen Zeitpunkt.“ Langfristig setzt sich durch, was zum Standort passt: „Ein Garten in Wien braucht andere Arten als einer im Waldviertel oder der Steiermark.“

Oft reicht es, zunächst wachsen zu lassen, was schon da ist. Nach der Mahd kann eine Wiese dann braun und lückig aussehen; diese offenen Stellen braucht’s aber, damit Samen keimen können.

Das Plädoyer lautet also nicht: „Schafft den Rasen ab“, sondern: „Gebt ihm Gesellschaft“. Am Ende sollte ein Garten nämlich zweierlei können: seinen Besitzern gefallen und anderen Lebewesen Raum geben. Batakovic: „Man muss also immer beides zusammenbringen: das menschliche Bedürfnis nach Gestaltung und Ordnung – und die Bedürfnisse der Natur.“

Vom Rasen zur Wiese: 10 Tipps

Blumenwiese oder Kräuterrasen?

Ein Kräuterrasen bleibt niedriger, ist begehbar und passt gut in kleinere Gärten. Eine Blumenwiese wird höher, bringt mehr Struktur, wird aber nur selten betreten und gemäht.

Den richtigen Platz wählen

Blumenwiesen brauchen Sonne bis maximal Halbschatten. Für schattige Stellen sind andere Begrünungen wie Stauden- oder Saumpflanzungen sinnvoller.

Den Boden anschauen

Für Naturwiesen ist sandiger, durchlässiger Boden günstig. Tonige oder humusreiche Böden können mit regionalem Sand abgemagert und durchlässiger gemacht werden. Wichtig: keine fette Gartenerde, kein Kompost, kein Dünger.

Bestehenden Bewuchs nutzen

Wenn im Rasen schon verschiedene Kräuter wachsen, muss oft gar nicht neu angesät werden. Dann reicht kontrollierte Verwilderung: seltener mähen, nicht düngen, nicht gießen, Mähgut abtransportieren. So können mit der Zeit neue Arten dazukommen.

Regionaltypisches Saatgut kaufen

Nicht jede bunte „Bienenwiese“ ist eine dauerhafte Blumenwiese. Besser sind mehrjährige, standortgerechte Wildpflanzenmischungen. Orientierung bieten Anbieter wie etwa wildeblumen.at, wo heimische Wildblumen, Bio-Saatgut und Mischungen für unterschiedliche Standorte angeboten werden.

Richtig aussäen

Das Saatbett soll offen, feinkrümelig und frei von Wurzelunkräutern sein. Das Saatgut mit Sand mischen, einmal längs und einmal quer ausstreuen, nicht einarbeiten und nicht mit Erde bedecken. Danach nur andrücken oder anwalzen.

Den Zeitpunkt beachten

Günstig ist die Aussaat von Mitte August bis Mitte April; besser im Winter als zu spät im Frühling. Bei Frühjahrsansaaten kann in Trockenphasen anfangs Bewässerung nötig sein. Herbstansaaten kommen meist ohne Gießen aus.

Anders mähen

Ein Kräuterrasen wird seltener gemäht als der klassische Rasen, etwa alle zwei bis vier Wochen. Eine Blumenwiese wird maximal zwei- bis dreimal im Jahr geschnitten, frühestens ab der Sommersonnenwende beziehungsweise wenn wichtige Leitarten verblüht sind.

Nicht alles auf einmal schneiden

Eine Blumenwiese sollte abschnittsweise gemäht werden: Ein Teil bleibt stehen, der andere wird später geschnitten. So behalten Insekten Rückzugsorte und Blütenbesucher finden weiter Nahrung. Das Mähgut kann ein bis zwei Tage trocknen, damit Samen ausfallen. Wer möchte, bindet einen Teil des Heus zu einer kleinen Garbe und stellt sie an den Rand oder in die Blumeninsel. So bleiben Samen, Raupen und Kleintiere vor Ort.

Geduld haben

Wildpflanzen keimen langsam. Viele brauchen Monate, manche einen Winter. Bei mehrjährigen Naturwiesen dauert es oft Jahre, bis sich die ganze Vielfalt zeigt. Dafür sind sie langfristig stabiler als kurzfristig bunte Mischungen.

Gabriele Kuhn

Über Gabriele Kuhn

Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.

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