Dobermann Isanto hat seine eigene Kuschelecke, sitzt dennoch gerne mit Frauchen auf der Couch

© NIKO HAVRANEK

Reportage
07/23/2020

Goldschmiedin Marlene Rosa: „Meine Zimmer wandern sehr oft“

Goldschmiedemeisterin Rosa Marlene Pletz sieht sich als perfektionistischer Chaoskopf – mit Veränderungsdrang.

von Julia Gschmeidler

Gemütlich, freundlich, hell – so würde Rosa Marlene Pletz ihren Wohnungsstil beschreiben. Gerade sitzt sie mit ihrem Dobermann Isanto auf der hellblauen Stoffcouch und trinkt eine Tasse Tee. Das Gefühl von Behaglichkeit stellt sich tatsächlich sofort ein, wenn man Rosa Marlenes Altbauwohnung in der Josefstadt betritt. Zentrum ihres Zuhauses ist das Wohnzimmer, hier bilden   Souvenirs von Reisen in ferne Länder und Fundstücke aus Vintage-Läden  ein bodenständiges und doch mondänes Gesamtkonzept.

Die Zimmerpflanzen thronen in Körben aus Bali, über dem Türflügel hängt ein Läufer aus Costa Rica, die Couch zieren Pölster mit Lamamotiv aus Argentinien. „Es geht ums Aufpeppen“, sagt Rosa Marlene Pletz. Die Kunst sei, alltägliche Einrichtungsgegenstände zum eigenen Möbel zu machen.

„Es ist total schön, wenn man alte Fundstücke und Dekoration mit reinbringt“, sagt sie. Solch ein altes Fundstück ist etwa eine Eingangstür aus der Glasfabrik, die Pletz selbst abgeschliffen und lasiert hat.  Anfangs diente diese als Tisch, nun bildet sie den Abschluss am Kopfende ihres Bettes.

„Und ich brauche immer eine alte Kommode, das ist mein Must-have“, sagt die Goldschmiedin, um kurz darauf zu ergänzen, dass auch ein guter Sessel in jeder Wohnung essenziell sei. Ihr Lieblingsstück begleitet sie bereits seit acht Jahren. Gekauft hat Pletz ihn in einer Werkstätte für Menschen mit Behinderung und ehemalige Häftlinge nahe ihres Heimatortes in Rheinland-Pfalz. „Die Mitarbeiter dort bekommen Restauration und das Wiener Geflecht beigebracht, bis jetzt hat der Sessel jeden Umzug gut überstanden“, sagt die Schmuckdesignerin.

Gediegenes Wien

Aufgewachsen in einem Dorf bei Kaiserslautern, hat es Rosa Marlene Pletz nach der Matura auf Weltreise verschlagen, danach feierte sie in Wien ihren Geburtstag. Einen Monat später unterschrieb sie bereits den Mietvertrag für ihre erste Wohnung in Wien – so beeindruckt war sie seit ihrem ersten Aufenthalt von der Stadt und deren ganz speziellem Flair.

„Das hat mir so imponiert, wie diese schicken Damen durch die Gegend gewackelt sind. Das fand ich irgendwie süß“, sagt sie. Von zu Hause kannte sie dieses Gediegene nicht, eher aufkommende Armut durch geschlossene Werke von Opel und Pfaff sowie US-amerikanischen Einfluss durch die Ramstein Air Base. Wien sei aber nicht nur aufgrund der extravaganten Gründerzeithäuser und ihrer adretten Bewohner so liebenswert.

Auch dass die Natur in einer Großstadt so nah ist, imponiert Pletz. Mit dem Dobermannrüden Isanto ist sie oft  im Wienerwald unterwegs und sammelt Kraft im Grünen, bevor sie sich auf den Weg in ihr Atelier  in der Neustiftgasse macht. „Ein Kriterium bei der Wohnungssuche war, dass meine Arbeit  zu Fuß erreichbar ist“, sagt sie.

In dieser 110--Wohnung, die sie als „Hit“ bezeichnet, lebt die  Künstlerin bereits seit vier Jahren und fühlt sich  sichtlich wohl – auch wenn sie nicht viel an der Wohnung verändert hat. Sogar die pastellfarbenen Wände sind noch von den Vormietern. „Die hätte ich aber wohl auch so gemacht. Laut Sternzeichen sollte ich Grau- und Beigetöne um mich haben“, sagt die 30-Jährige.

Umstellen neu gedacht

Die Kreativität der Goldschmiedin zeigt sich nicht nur in den vielen Dekorationselementen in der Wohnung, sondern auch durch ihre Vorliebe für Veränderung. „Ich stelle unglaublich oft um, selten dass ein Zimmer mehrere Monate das Zimmer bleibt“, erzählt sie. So war jeder Raum auch schon mal das Schlafzimmer.

Als sie seit Langem wieder einen Fernseher bekommen hatte, wollte ihr Freund diesen an der Wand gegenüber dem Bett montieren. „Niemals! Dann bin ich ja fixiert auf einen Platz“, entgegnete Rosa Marlene ihm. „Auch die Bilder wandern immer wieder, das ist lustig“, sagt sie.

Dieser kleine Chaoskopf, der sie manchmal sei, spiegle sich genauso in ihrem Wohnstil wider wie das Perfektionistische, das zu ihrem Job dazugehöre. Aus ihrem allerersten Shop hat sie Pappelwürfel mitgenommen, die dort mit Glasplatten als Kaffeetische fungierten. Heute dienen sie als Bettstützen,  auf ein Bettgestell verzichtet die 30-Jährige. „Wenn ich wieder umstelle, hebe  ich Matratze und Lattenrost und  ab damit ins nächste Zimmer“, sagt sie und lacht.

Rosa Marlene Pletz ist Österreichs jüngste selbstständige Goldschmiedemeisterin mit eigenem Atelier in Wien-Neubau. Neben Auftragsarbeiten für Verlobungs- und Eheringe fertigt sie ihre eigenen Kollektionen. Dafür recycelt sie altes Gold, da dies noch umweltfreundlicher sei als faires Gold. Die neue „Wave“-Kollektion entstand im Zuge der Vienna Fashion Week und stellt die Verschmutzung der Meere in den Fokus. Die „Vienna to Go“-Kollektion hingegen ist inspiriert von Stuck, Ornamenten und dem Floralen – Elemente, die in der Jugendstil-Architektur Wiens allgegenwärtig sind. www.rosamarlene.at

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