Trends im Gartenbereich und von welchen Pflanzen abgeraten wird
Schneiden, setzten, planen. Ein Experte erklärt, was jetzt schon draußen gemacht werden kann – und welche Pflanzen künftig besser auf heimischen Grünanlagen wachsen sollten.
Die ersten warmen Sonnenstrahlen haben Gartenfans heuer ungewöhnlich früh ins Freie gelockt. Schon Ende Februar wurde geschnitten, gegraben und geplant. Doch Vorsicht: Nicht alles, was jetzt nach Rückschnitt aussieht, verträgt ihn auch. Der frühe Frühling ist klassischerweise Schnittzeit für viele Gehölze. Rosen, Sommerflieder, Rosmarin oder Lavendel etwa vertragen einen kräftigen Rückschnitt gut – vor allem, wenn sie im Vorjahr stark verholzt sind. Auch Obstbäume wie Apfel oder Birne können jetzt noch ausgelichtet werden, solange die Knospen nicht voll aufgegangen sind.
Selbst Ziergräser dürfen geschnitten werden, verrät Gartengestalter Peter Baumgarten von „Begründer“. „Wer das alte, strohige Laub entfernt, macht Platz für frische Halme.“
Auch Gräser können geschnitten werden
©Getty Images/Michael Polinder/istockphotoBei anderen Pflanzen ist Geduld jedoch die bessere Strategie. „Früh blühende Sträucher wie Forsythien oder der klassische Flieder werden erst nach der Blüte geschnitten – sonst schneidet man sich die kommende Blütenpracht gleich mit ab.“
Was Baumgarten derzeit bei vielen Kunden beobachtet: der Wunsch nach einem möglichst frühen Blütenstart im Garten. „Viele lassen vermehrt Frühlingsblumen wie Tulpen setzen, damit der Garten schon im zeitigen Frühjahr Farbe bekommt.“
Auch mediterrane Pflanzen sollten jetzt wieder ins Freie. Olivenbäume oder Zitrusgewächse etwa müssen aus ihren Winterquartieren heraus, sagt der Experte. „Bleiben sie zu lange drinnen, kann es zu Schimmelbildung kommen oder sie treiben zu früh aus – und reagieren draußen dann empfindlich.“ Drohen allerdings noch einmal Minusgrade, heißt es improvisieren: Dann müssen Zitrus und Co. wieder mit Vlies geschützt werden.
Sommerflieder kann großzügig geschnitten werden.
©APA/dpa/Martin Schutt
Frühlingsboten wie Tulpen und Kaiserkronen werden bei Gartengestaltern vermehrt nachgefragt.
©Getty Images/Olga Kaya/istockphotoKein Kirschlorbeer
Und dann wäre da noch der Liebling vieler österreichischer Reihenhaussiedlungen: der Kirschlorbeer. Immergrün, schnell wachsend, blickdicht – praktisch. Doch inzwischen gilt er vielerorts als ökologischer Problemfall.
Der Strauch ist nicht heimisch, seine Blätter können von vielen heimischen Insekten nicht genutzt werden – teils schaden sie ihnen sogar. Zudem gilt Kirschlorbeer als invasiv und kann andere Pflanzen verdrängen. „Kirschlorbeer ist zwar pflegeleicht, aber er wird extrem breit“, sagt Baumgarten. „Es gibt gute Alternativen.“ Etwa Ölweide oder Eibe für Hecken: Letztere wächst langsamer und ist daher teurer, aber ebenfalls immergrün und robust. Die jetzt häufiger gepflanzte Glanzmispel sei ökologisch übrigens nicht besser als der Kirschlorbeer, gibt der Experte zu bedenken. „Der Trend geht jedenfalls eindeutig in Richtung Natürlichkeit.“
Kirschlorbeer: invasiv und teilweise schädlich für Tiere.
©Getty Images/brytta/istockphotoPflanzen für trockenes Klima
Angesichts heißer werdender Sommer suchen Gartenbesitzer zudem nach Pflanzen, die Trockenheit besser überstehen. Gefragt sind mediterrane oder steppenartige Beete. „Flächen mit Ziergräsern, die von Staudenbeeten unterbrochen werden, ersetzen den klassischen Rasen immer häufiger“, erklärt der Gartengestalter.
Beliebt sind zudem Kräuter wie Thymian oder Rosmarin, die mittlerweile nicht nur im Kräuterbeet, sondern zwischen Blühpflanzen wachsen. Salbei-Arten, Eisenkraut oder Sonnenhut kommen mit trockenen Böden ebenfalls gut zurecht und sehen selbst im Hochsommer noch frisch aus.
Garten von "Begründer" gestaltet
©BegründerAlte Bäume als Highlight
Ein weiterer Trend: Bäume als Gestaltungselement. „Viele setzen bewusst alte Obstbäume oder mehrstämmige Bäume und inszenieren sie im Garten.“ Oft sogar mit Beleuchtung.
Ein großer Baum direkt bei der Terrasse ersetzt dabei immer öfter den Sonnenschirm. „Er spendet einfach viel mehr Schatten als jede künstliche Beschattung.“ Und noch etwas beobachtet der Experte: Für viele wird Gartenarbeit zunehmend zum beruhigenden Hobby. „Unkraut zupfen hat für manche schon fast etwas Meditatives.“
Info: Tiere schützen
Der WWF macht deutlich, dass Gärten „ausschlafen“ sollten. Das frühe Saubermachen des Gartens schade Insekten, Igeln, heimischen Schlangen wie der Ringelnatter und Pflanzen. Etwa, weil sich der Igel noch im Winterschlaf befindet. Durch das Laubharken und den Pflanzenschnitt kann er zu früh geweckt werden.
Kommentare