Meine Bibliothek mit Markus Schinwald
Vor Kurzem gestaltete der Künstler die Schausammlung 1900 im MAK Wien neu. Warum Geschichte in seiner Kunst mitspielt und er gerne außerhalb von Stille liest.
Geschichte spielt in seiner Kunst fast immer die Hauptrolle: sei es in der Neuaufstellung der Schausäle zu Wien 1900 im Wiener MAK, sei es bei seinen Ölbildern, etwa für die Salzburger Galerie Thaddaeus Ropac. Der renommierte Künstler arbeitet disziplinübergreifend. „Ich wollte wissen, ob heute Dinge sichtbar sind, die man vor 30 Jahren noch nicht erkennen konnte“, so Schinwald über die Neuaufstellung für den Sammlungsbereich im MAK. „Aktuelle Krisen werfen immer ein anderes Licht auf vergangene Zusammenhänge“.
Markus Schinwald kuratierte die MAK Schausäle zu Wien 1900 neu
©kunst-dokumentation.com / ManuelZu diesen Gedanken inspirierte ihn auch eines seiner Lieblingsbücher: Walter Benjamins „Das Passagen-Werk“, eine der schönsten Reflexionen über das 19. Jahrhundert aus der Perspektive des 20. Jahrhunderts. Schinwalds Bibliothek besteht aus etwa 7.000 Büchern, verteilt auf mehrere Orte.
Walter Benjamin: „Das Passagen-Werk“. Unvollendetes, philosophisch-literarisches Projekt
©Privat„Erst wenn ich das Gefühl habe, dass bestimmte Bücher überhaupt niemanden mehr interessieren, werfe ich sie weg. Wenn ich mir aber denke, dass da draußen jemand daran Gefallen finden könnte, schenke ich sie her.“ Im Regal findet sich auch sein zweites Lieblingsbuch. Im Buch „Aufmerksamkeit“ von Jonathan Crary geht es um die Veränderung der Aufmerksamkeit seit dem 19. Jahrhundert.
Jonathan Crary „Aufmerksamkeit. Wahrnehmung und moderne Kultur“. Konzentration ist eine kulturelle Erfindung
©PrivatSeine drei Lieblingsbücher sieht Schinwald als eine homöopathische Dosis Vergangenheit für melancholisch veranlagte Menschen. „Ich mag es, beim Lesen erinnert zu werden, dass ich nicht alleine auf der Welt bin und es Menschen um mich herum gibt, denen andere Dinge durch den Kopf gehen. Deshalb lese ich gerne auf öffentlichen Plätzen wie in Cafés, im Zug oder auf einer Parkbank.“
Markus Schinwald besitzt etwa 7.000 Bücher – die er auch gerne an öffentlichen Plätzen liest
©PrivatSein drittes Lieblingsbuch „Das Schreiben der Geschichte“ von Michel de Certeau, untersucht den historischen Prozess des Schreibens.
Michel de Certeau: „Das Schreiben der Geschichte“. Historische Studien über das Schreiben von Geschichte, Campus Verlag
©PrivatSchinwald arbeitet selbst auch an einem neuen Buchprojekt. „Es geht um Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur und meine Erfahrung mit Historikern und ihren Institutionen, meine Skepsis und Hoffnung.“
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