Wenn Schuhe und Perlenketten politisch werden
Trump macht Schlagzeilen mit seiner Leidenschaft für eine Schuhmarke. Warum Kleidung für die Kommunikation von Politikern nicht zu unterschätzen ist, erklärt eine Expertin.
Donald Trumps Vorliebe für Schuhe der Marke Florsheim ist legendär – ebenso wie die Angewohnheit, sie großzügig zu verschenken.
Es ist eine Mischung aus Geschäftsmann-Attitüde und altmodischem Dresscode, die viel über Trumps Stil verrät: konservativ, markenbewusst und sehr demonstrativ.
Trump trägt Oxford-Schuhe von Florsheim um 145 Dollar.
©REUTERS/Kevin Lamarque„Kleidung ist in der Politik ein bewusst eingesetztes Kommunikationsinstrument und Teil der Inszenierung“,
erklärt Silvia Grünberger, Expertin für Public Affairs.
Joe Biden etwa setzte stets auf das mittelpreisige US-Label Brooks Brothers – Patriotismus in Stoffform also. Barack Obama ging den umgekehrten Weg. Er vermied Marken und ließ Anzüge maßschneidern.
Während seiner Präsidentschaft erklärte er: „Ich trage nur graue oder blaue Anzüge. Ich möchte nicht täglich entscheiden müssen, was ich esse oder anziehe. Ich habe schon genug andere Entscheidungen zu treffen.“
Obama wollte keine Nähe zu einer bestimmten Marke und ließ graue und blaue Anzüge maßschneidern.
©EPA/MICHAEL REYNOLDSBlaue Anzüge
Ähnlich wie Obama hält es auch der österreichische Bundespräsident. Alexander Van der Bellen betont zwar in einem Video, dass ihn Mode herzlich wenig interessiert, seine Kleiderwahl folgt dennoch klaren Regeln, wie er selbst erklärt. Blau für offizielle Termine, graue Anzüge trägt er im Büro, privat mag er Jeans.
Blaue Anzüge bei offiziellen Anlässen für Van der Bellen.
©APA/AFP/ALEX HALADALaut Grünberger steht der klassische blaue Anzug für Ruhe und Vertrauen, während bewusstes Understatement – etwa bei Barack Obama – Seriosität signalisiert und den Fokus auf Inhalte lenkt.
Frauen haben es schwerer
Für Frauen in der Politik sei es oft schwieriger, sich passend zu kleiden, weil sie „nach wie vor deutlich stärker und kritischer über ihr Erscheinungsbild beurteilt werden als Männer“, so die Expertin.
Dennoch hat sich die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre eigene Uniform geschaffen. Schwarze Hose, dazu ein farbiger, dreiknöpfiger Blazer – maßgefertigt, unterschiedlich nur in der Farbe. Noch bekannter sind Hillary Clintons Hosenanzüge von Ralph Lauren.
Angela Merkel
©EPA/MICHELE TANTUSSI / POOLModemutige Politiker
Dass es auch anders geht, zeigte Kanadas Ex-Premier Justin Trudeau mit witzigen Socken oder die einstige britische Premierministerin und Fashionista Theresa May. Mit Statement-Ketten zu Kostümen und Schuhen im Leopardenmuster oder roten Lackpumps machte sie Schlagzeilen im britischen Boulevard.
May hatte eine Vorliebe für Schuhe mit Leopardenmuster.
©APA/AFP/ANDREW YATES
Kanadas Ex-Premier Justin Trudeau setzte auf auffällige Socken.
©REUTERS/JENNIFER GAUTHIERUnd dann sind da die historischen Gesten, die bis heute nachwirken. John F. Kennedy etwa brach bewusst mit der Hut-Tradition seiner Zeit – ein Detail, das für eine neue politische Generation stand.
Nicht ohne Perlenkette: Thatcher
©APA/AFP/HUGO PHILPOTTDie als eiserne Lady geltende Margaret Thatcher zeigte sich in den Achtzigerjahren stets mit Perlenkette und Schluppen-Bluse demonstrativ weiblich und konservativ.
Mode in der Politik ist also selten eine Nebensache. Grünberger:
„Entscheidend ist die Balance: Wer zu sehr auffällt, riskiert, nicht mehr ernst genommen zu werden – wer zu austauschbar bleibt, verschenkt Profil. Die Kunst liegt in der kontrollierten Inszenierung.“
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