Eine Braut mit Schleier steht im Freien vor einem Traubogen, während Gäste und ein Redner warten.

Brautmoden-Expertin: "Heiraten ist jetzt im Trend"

Reality‑Shows und soziale Medien haben den Blick auf die Brautmode verändert. Anproben werden zum Event, bequeme Kleider und flache Schuhe gewinnen an Bedeutung.

Das perfekte Brautkleid ist mehr als Stoff und Schnitt. Es macht etwas mit der Person, die es trägt. Plötzlich steht man anders, bewegt sich bewusster, schaut sich länger im Spiegel an. Und denkt: „So schön war ich noch nie in meinem Leben.“

Genau dieses Gefühl möchte Saria Stark ihren Kundinnen vermitteln. Die Unternehmerin sperrte ihr Brautmodengeschäft „herzverlesen“ im vierten Wiener Bezirk vor fünf Jahren auf.

So teuer ist ein Brautkleid wirklich

Stark sucht jedes Kleid selbst aus und investiert in jedes Einzelne – daher auch der Name „herzverlesen“. Jedes davon wird ausschließlich in Europa produziert. Die Qualität sei dadurch besser, die Passform präziser, sagt sie. Die Preise beginnen ab 1.500 Euro und reichen bis zu 4.000 Euro. „Bei einem Brautkleid muss man mit einem Budget (inklusive Schneiderkosten) von mindestens 3.000 Euro rechnen“, gibt die Brautmoden-Expertin zu bedenken.

Warum Heiraten jetzt im Trend ist

Ein Preis, den viele in Kauf nehmen. „Die Anprobe von Brautkleidern ist zu einem richtigen Event geworden“, erzählt Stark. Oft zieht die künftige Braut mit ihrer Freundesclique von einem Geschäft zum anderen – „selbst dann, wenn sie bereits ein Kleid anprobiert hat, das ihr nicht mehr aus dem Kopf geht“. Manche reisen dafür sogar in verschiedene Städte.

„Bei jungen Frauen herrscht große Verunsicherung“, sagt Stark. Die Erwartungen werden stark von Pinterest und Tiktok geprägt: „Im Geschäft zeigt sich dann schnell, dass nicht alles eins zu eins übertragbar ist.“

Auch Reality-Formate wie „Love Is Blind“ oder „Zwischen Tüll und Tränen“ befeuern den Wunsch nach Hochzeiten – und damit auch das Interesse an Brautkleidern. „Heiraten ist jetzt im Trend“, betont Stark und ergänzt: „Ich habe den Eindruck, so viele Hochzeiten wie heuer gab es noch nie“.

Im Brautmodengeschäft von Saria Stark gibt es eine riesige Auswahl.

Im Brautmodengeschäft von Saria Stark gibt es eine riesige Auswahl.

©christopher kropat

Brautkleider-Trends 2026

Zur Anprobe kommen meist die Mutter oder die Freundinnen der zukünftigen Braut, Väter und Brüder eher selten. Wie man es aus Filmen kennt, gehört dabei auch ein Glas Prosecco dazu.

Bei den Brautkleidern dominieren derzeit cleane Stoffe und ein puristischer Stil, erklärt Stark. Ebenso beliebt: trägerlose Designs, Cat-Eye-Ausschnitte, Basken-Taillen, Schnürungen am Rücken und A-Linien. Spitze und Tüll bleiben präsent, Beinschlitze setzen moderne Akzente. Vereinzelt sind auch große Blumenmuster gefragt, insgesamt bleibt der Look jedoch reduziert. Farblich stehen Blush-Töne, Ivory, Naturweiß und Nude-Nuancen im Vordergrund. Reines Weiß wird kaum noch produziert, da es häufig einen Blaustich hat.

In den vergangenen Jahren waren noch die Farben Schwarz und Rot beliebt. Auffällig ist außerdem die Rückkehr großer Silhouetten: Voluminöse Röcke und Prinzessinnenkleider sind im Trend.

Bei den Accessoires sind Schleier und Schleppe angesagt, genauso wie Fascinator als Kopfschmuck oder echte Blumen im Haar. Diademe, Glitzer, der Boho-Trend und Reifröcke hingegen gelten als überholt.

Trend zum Zweitkleid

Noch ein Trend zeichnet sich ab: Eng geschnittene Kleider, die vor einigen Jahren noch beliebt waren, werden zunehmend von bequemeren Outfits abgelöst, die die Taille betonen. Genauso wie bei den Schuhen – auch hier wird auf Bequemlichkeit gesetzt. Viele wählen Sneakers oder Schuhe mit niedrigen Blockabsätzen. Zuletzt hat auch Birkenstock Hochzeitssandalen auf den Markt gebracht. Dieser Trend kommt daher, weil zunehmend outdoor geheiratet wird. 

Auch der Abend steht ganz im Zeichen von Komfort: Viele Bräute ziehen sich für die Party am Abend noch einmal um. Für diesen Trend dürfte Social Media ebenso verantwortlich sein: „Wenn man den ganzen Abend dasselbe Kleid trägt, wird es langweilig. Die Leute wischen einfach weiter“, erklärte Designerin Pnina Tornai der New York Times.

Das perfekte Brautkleid bedarf jedenfalls Vorbereitungszeit. Ein Jahr bis spätestens neun Monate vor der Hochzeit sollte mit der Anprobe begonnen werden. Denn die Lieferzeit kann bis zu sechs Monate dauern, dazu kommen noch die Anpassungen vom Schneidern. Hier ist mit zwei weiteren Monaten zu rechnen.

Natürlich komme es immer wieder vor, dass jemand vier Wochen vor der Hochzeit nach einem Kleid sucht, sagt Stark. Allerdings stehen dann nur jene Modelle zur Auswahl, die noch auf Lager sind.

Ob dick, dünn oder curvy – für jede Frau gibt es das perfekte Brautkleid, „wenn nicht bei mir, dann woanders“, betont die Expertin. „Denn es gibt keine Problemfigur.“ Am meisten freut sie sich auf den Moment, wenn die passende Robe gefunden ist: „Die meisten meiner Kundinnen weinen nicht, sondern haben dieses besondere Strahlen in ihren Augen.“

Prominente Bräute als Inspiration für den großen Tag

Die Hochzeit des Jahres steht jetzt schon fest – wann sie stattfinden wird, ist derzeit noch Inhalt von Spekulationen. Derzeit deutet einiges darauf hin, dass  Popstar Taylor Swift und ihr Football-Beau Travis Kelce einander am 3. Juli in New York City das Jawort geben – am Abend vor Swifts liebstem Feiertag, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag. Modeexpertinnen rätseln seit Monaten, was die 36-Jährige tragen könnte. Dramatisches von Vivienne Westwood? Oder doch klassische Eleganz von Ralph Lauren, der schon ihr Verlobungskleid geschneidert hatte? Fix ist: Ihr Brautkleid wird wichtige Trends für die kommenden Jahre setzen.

Royale Stilikonen

Prominente Bräute gelten seit Jahrzehnten als wichtige Stilindikatoren für Hochzeiten. Was Lady Diana Anfang der Achtziger mit ihrem bauschigen Prinzessinnenkleid war, setzte Kate Middleton 2011 mit ihrem taillierten, langärmligen Spitzendesign von Alexander McQueen fort. Schwägerin Meghan führte mit ihrem Givenchy-Hochzeitskleid 2018 wiederum eine neue Ära des Purismus in der Brautmode ein. Seit Langem gibt es heuer wieder eine Royal Wedding: An einem der begehrtesten Hochzeitsdaten in diesem Jahr, dem 6. 6. 26, ehelicht Peter Philips, Neffe von König Charles, die Kinderkrankenschwester Harriet Sperling. Mehr Fragezeichen gibt es um die Vermählung von Superstar Zendaya. Derzeit im Film „The Drama“ als Braut zu sehen, soll sie auch ihren Verlobten Tom Holland bereits still und heimlich geheiratet haben. von Julia Pfligl

 Braut in echt und im Film: Zendaya (im gefragten Look von V. Westwood).

Braut in echt und im Film: Zendaya (im gefragten Look von V. Westwood).

©REUTERS/Mario Anzuoni
Liisa Mikkola

Über Liisa Mikkola

Redakteurin und Digital Producer beim KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit.

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