Ein Paar küsst sich, dargestellt in einer Herzform.

Väter: Gestern noch „hot“, heute vor allem müde

Der Vatertag erinnert daran: Auch Papas bleiben sexy – selbst wenn Schlafmangel, Grillzange und Jausenbox das mitunter gut tarnen.

Vatertag ist, nüchtern betrachtet, der Feiertag für Männer, bei denen Sex irgendwann Folgen hatte. Man könnte also meinen, Erotik spiele an diesem Tag wenigstens eine kleine Nebenrolle. Tut sie aber nicht. 

Gefeiert wird Herr Papa mit Bier, Grillzange, Socken, Selbstgebasteltem und der rührenden Behauptung, er sei der Beste. Dass dieser Mann irgendwann einmal nicht „Papa“, sondern „dieser fesche Typ mit dem sexy Blick“ war, fällt diskret unter den Wickeltisch.

Dabei wäre dieser Tag eine schöne Gelegenheit, ein paar Dinge zurechtzurücken. Zum Beispiel, dass Kinder nicht durch gemeinsame Haushaltsführung entstehen. Auch nicht durch einen Bausparvertrag oder die Anschaffung eines Familienzeltes. 

Irgendwann war da Begehren, Haut, Küsse, Wahnsinn. Oder ein endloser Abend mit viel Weißwein. Und dann beginnt die große Verwandlung. Aus dem Mann, den man einst um jeden Preis verführen wollte, wird der, der fragt, ob noch Feuchttücher da sind. 

Aus dem Liebhaber wird „Papschi“, Erotik verwandelt sich in Logistik, in der die Frage „Kommst du ins Bett?“ vor allem damit verbunden ist: Wer steht morgen auf und warum liegt schon wieder ein Duplomanderl unter der Tuchent? Auch aus biologischer Sicht steckt im Vatertag mehr Drama, als man vermuten würde.

Spermien-Castingshow

Bevor ein Mann Vater wird, fand in seinem Körper eine Art mikroskopische Castingshow statt. Millionen Spermien, alle mit hehrem Ziel und mäßiger Orientierung, machten sich auf den Weg. Gewonnen hat nicht das romantischste, sondern eines, das fit, schnell, beweglich und entschlossen war. 

Vaterschaft beginnt also nicht erst mit dem ersten Kinderwagerl, sondern viel früher: mit Körpern, Orgasmus, Zufall, Biologie und jenem Mix aus Lust, Nähe und Risiko, die Erwachsene erstaunlich oft in Schwierigkeiten bringt. 

Man kann es Fortpflanzung nennen. Oder Liebe. Oder einen Moment, in dem niemand an Stilleinlagen, Schlafmangel und Jausenboxen dachte. Später wird daraus Familie. Und so schön das auch sein kann, hat sie die seltsame Gabe, Erotik gründlich umzumöblieren. 

Früher reichte ein Blick, später braucht es einen Babysitter, zwei halbwegs ausgeschlafene Menschen und die Gewissheit, dass niemand im Nebenzimmer plötzlich „Mamaaaa!“ brüllt. Dabei macht die Vaterschaft Männer per se nicht unerotisch, doch sie verändert den Blick auf sie. Der „hotte Typ“ mutiert zum gutmütigen Familienmöbel: verlässlich beim Montieren des Kindersitzes im Auto, rührend beim Basteln, tapfer beim Aufbau von IKEA-Hochbetten

Eh lieb, aber ungefähr so erotisch aufgeladen wie ein Elternbrief. Möglicherweise wäre der schönste Vatertagsgruß daher nicht nur bester Vater , sondern auch: Ich sehe dich noch, Darling. Im Sinne von: Da ist nicht nur der Mann, der Lego aus dem Staubsauger fischt, da ist auch ein Gegenüber, das begehrt, begehrt werden möchte und nicht komplett hinter Kinderzeichnungen verschwindet. 

Ja, eh klar: Papa kann alles, er ist der Held der Familie. Und gleichzeitig ist klar: In seiner Funktionsjacke steckt auch dieser eine, besondere Mann, mit dem einst alles begonnen hat.

Gabriele Kuhn

Über Gabriele Kuhn

Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.

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