Streit mit den Schwiegereltern: Wann er rechtlich zur Scheidung führt
Zwei Anwälte, zwei Ansichten, eine Rechtslage: Das Wiener Duo erzählt Geschichten aus seiner Ehe, beantwortet Fragen, die uns im Alltag beschäftigen, erklärt, was vor Gericht zählt – und wie er oder sie die Causa sehen.
Von Mag. Carmen Thornton & Mag. Johannes Kautz
Der Fall: Nicola Peltz hatte sich ihren Hochzeitstanz mit Brooklyn Beckham vermutlich anders vorgestellt. Als der Sänger Marc Anthony „die schönste Frau im Raum“ zum Tanz mit dem Bräutigam aufforderte, betrat zur Überraschung aller nicht die Braut die Bühne, denn die wurde von der Schwiegermutter ausgebremst. Victoria Beckham stand plötzlich mit ihrem Sohn auf dem Parkett und nahm sich die Freiheit des ersten Tanzes mit dem frischgebackenen Bräutigam, während dessen Frau Nicola weinend aus dem Raum stürmte. Brooklyn rechnete später in einer Instagram-Story mit seinen Eltern ab: „Ich will mich nicht mit meiner Familie versöhnen. Ich lasse mich nicht kontrollieren, ich stehe zum ersten Mal in meinem Leben für mich selbst ein“. Ein klares Statement. Doch was bedeutet es für eine Ehe, wenn es mit den Schwiegereltern so gar nicht funktioniert? Und wie löst man die Generationenkonflikte bei Betriebsübergaben?
Sie:
Als Scheidungsanwältin werde ich oft nach den häufigsten Gründen für das Scheitern einer Ehe gefragt. Ganz oben auf meiner Liste stehen nicht nur die Klassiker wie Affären, schlechte Kommunikation, das zweite Kind samt Hausbau oder unterschiedliche Prioritäten. In meinen Top 5 kommt auch ein Grund vor, den manche nicht so am Radar haben: Die Schwiegereltern. Und auf die Gefahr hin, dass ich jetzt ein Klischee bediene: Meiner Erfahrung nach sind es eher die Schwiegermütter, die für Unfrieden sorgen.
Davon kann nicht nur Frau Peltz ein Lied singen. Den Hochzeitstanz zu stehlen, ist zwar ein ganz besonderer Affront, doch dass die Abneigung selbst bei der Hochzeit unverhohlen zur Schau gestellt wird und die Brautmutter beispielsweise im weißen Kleid bei der Hochzeit erscheint, kommt immer wieder vor.
Einmischung als Eheverfehlung?
Manchmal können es allerdings auch die Schwiegerväter nicht lassen: Die Hochzeitsrede, in der Lobeshymnen auf die Ex-Freundin gehalten werden und die Braut quasi als Notnagel dargestellt wird oder der Brautvater, der ganz bewusst den Dresscode ignoriert: Alles schon gehört oder sogar selbst erlebt… Auch ich habe bei der Hochzeit mein Fett abbekommen, und zwar in Form einer „Glückwunschkarte“ meiner Schwiegermutter an Johannes, in der sie freimütig gestanden hat, dass sie sich eigentlich eine andere Frau für ihren Sohn gewünscht hätte.
Natürlich ist es verständlich, wenn die Schwiegereltern sich Gedanken darüber machen, ob ihr Kind richtig gewählt hat. Ich fürchte, da werde ich mir selber später einmal schwertun, mich zurückzunehmen. Und über manche Dinge muss man einfach hinwegsehen. Wenn die Oma gegenüber den Enkeln süffisante Bemerkungen macht wie „Naja, die Mama hat halt keine Zeit, mit dir zu basteln“, verdreht man kurz die Augen, aber ein Trennungsgrund ist das natürlich nicht. Auch die eigenen Eltern sind schließlich nicht unfehlbar. Eine ernsthafte Belastung für die Ehe werden die Schwiegereltern aber dann, wenn der Ehepartner nicht zu seiner Wahl steht. Dann ist die Ehe in Wahrheit zum Scheitern verurteilt.
Carmen Thornton ist Rechtsanwältin in Wien.
©Thornton & Kautz RechtsanwälteMuttersöhnchen
Um wieder ein Klischee zu bedienen: Das Muttersöhnchen, das sich noch nicht so richtig von Mamas Brust lösen konnte und nur ratlos zusieht, wie die eigene Mutter seiner Frau das Leben schwer macht oder sogar Partei für seine Mutter ergreift, wird bald wieder Single sein. Denn so etwas belastet die Ehe weit mehr als die alltäglichen Ärgernisse wie Nichtzuhören, fehlende Aufmerksamkeit oder das hartnäckige Ignorieren von To-dos.
So gesehen kann sich Frau Peltz trösten, denn Beckham Junior vom Verhalten seiner Mutter offenbar not amused. Und auch Johannes und ich sind noch immer glücklich verheiratet, weil er nie irgendeinen Zweifel daran aufkommen ließ, wer seine Nummer 1 ist. Das ist auch rechtlich der entscheidende Punkt: Denn das Verhalten der Schwiegereltern kann natürlich keine Eheverfehlung sein, wohl aber die fehlende Loyalität eines Ehepartners, der seine Eltern nicht in die Schranken weist.
Grundlose Ablehnung als Scheidungsgrund
Umgekehrt ist es aber auch eine Eheverfehlung, grundlos Besuche der Schwiegereltern zu verbieten oder jeden Kontakt zu unterbinden. Auch das kann ein Scheidungsgrund sein, es sei denn, es handelt sich um eine Reaktion auf ständige Einmischungen oder Anfeindungen der Schwiegereltern. Bis zu einem gewissen Grad heiratet man halt auch die Familie des Partners mit.
Er:
Siehst du, Carmen, auch eine pompöse Hochzeit kann so richtig in die Hose gehen. Also lieber gleich kleiner feiern, dann ist auch das Drama nicht so groß. Und die Hochzeitskarte meiner Mutter hätte ich schon fast vergessen. Naja, auch die Mama kann sich irren.
Konflikte mit der Elterngeneration gibt es übrigens auch im Wirtschaftsleben, etwa bei der Nachfolgeplanung in Familienunternehmen. Die Nachfolge wird meist schon zu Lebzeiten geregelt, weil bei der gesetzlichen Erbfolge Erbstreitigkeiten vorprogrammiert sind. Um die wirtschaftliche Existenz des Unternehmens nicht zu gefährden, empfiehlt sich daher eine rechtzeitige und geordnete Betriebsübergabe. Das vermeidet zwar viele Probleme, die bei Unternehmen mit der Erbfolge verbunden sind, birgt aber ebenfalls Konfliktpotenzial. Denn „rechtzeitig und geordnet“ bedeutet, dass die nächste Generation irgendwann das Ruder übernimmt. Und so schwer es für viele Eltern ist, die Kinder mit der Hochzeit in ihre eigene Familie zu „entlassen“, ist auch die Übergabe des eigenen Unternehmens. Denn das heißt, die Entscheidungskompetenz abzugeben.
Dass dies nicht immer friktionsfrei abläuft, ist verständlich. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern sich laufend. Der Einsatz von KI ist Chance und Herausforderung zugleich, mit Social Media gibt es völlig neue Marketingmöglichkeiten. Da die jüngere Generation damit meist vertrauter ist, liegt es in der Natur der Sache, dass die Nachfolger vieles anders machen und vielleicht einen ganz neuen Ansatz verfolgen. Und wer lange Jahre hart gearbeitet hat, um sein Unternehmen aufzubauen, ist nicht immer offen für Veränderungen. Warum sollte man etwas völlig umkrempeln, das bisher gut funktioniert hat?
Regelung der Entscheidungsbefugnis
Auch wenn sich jahrzehntelange Erfahrung nicht einfach ersetzen lässt, funktioniert die Unternehmensnachfolge nur, wenn sich der Betriebsinhaber entweder ganz aus dem Tagesgeschäft zurückzieht oder es eine klare Kompetenzverteilung gibt. Und die Entscheidungsbefugnis muss nicht nur auf dem Papier eindeutig geregelt sein, sondern auch der gelebten Praxis entsprechen.
Johannes Kautz ist Rechtsanwalt in Wien.
©Thornton & Kautz RechtsanwälteDass die Tochter zwar formal Geschäftsführerin ist, aber der Seniorchef, der eigentlich schon in Pension sein sollte, weiterhin jeden Tag im Unternehmen steht und die Mitarbeiter herumkommandiert, wird nicht gut gehen. Ein Firmenpatriarch, der nicht loslassen kann und seinen Nachfolgern nicht die Möglichkeit gibt, sich zu entwickeln, gefährdet schlimmstenfalls sein eigenes Lebenswerk.
Auch sonst sind bei der Betriebsübergabe einige Punkte zu beachten, um Familienstreitigkeiten oder eine Zerschlagung des Unternehmens zu vermeiden. Wenn nur eines von mehreren Kindern das Unternehmen fortführen soll, müssen die anderen abgefunden werden. Bei Einzelunternehmen kann die Einbringung in eine Kapitalgesellschaft sinnvoll sein.
So kann man alle Erben am Unternehmen beteiligen und die Geschäftsführung mit einem Sonderrecht regeln. Bei der flexiblen Kapitalgesellschaft sind bis zu 25 Prozent stimmrechtslose Anteile möglich, das eröffnet zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Pflichtteile für bis zu fünf Jahre zu stunden. In besonderen Fällen kann dieser Zeitraum vom Gericht auf bis zu zehn Jahre verlängert werden. So lässt sich vermeiden, dass das Unternehmen zur Deckung der Pflichtteilsansprüche verkauft werden muss.
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