Erschöpft vom Online‑Dating? Eine Psychotherapeutin gibt Tipps
Online-Dating empfinden viele Menschen als frustrierend und belastend. Was die Gründe sind und was dagegen hilft, erklärt eine Psychotherapeutin.
Ob Bumble, Tinder oder Parship: Online-Dating wirbt mit der Vorstellung, den Traumpartner schnell und unkompliziert kennenzulernen. Für viele Nutzerinnen und Nutzer schlägt diese Erwartung jedoch in Frust und emotionale Überforderung um – ein Phänomen, das als Dating-Burnout bezeichnet wird.
Wie oft die Online-Partnersuche zur Belastung wird, zeigt unter anderem eine Umfrage der deutschen Hochschule Fresenius in Köln: Demnach berichteten zwölf bis 14 Prozent der befragten Studienteilnehmer von Burnout-Symptomen wie anhaltender Erschöpfung, Überanstrengung und Müdigkeit infolge der Partnersuche über Dating-Apps.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine US-Umfrage von Forbes: 78 Prozent der 1.000 Befragten fühlten sich emotional, mental oder körperlich ausgelaugt.
Junge Leute unter Druck
Eine Entwicklung, die auch die steirische Psychotherapeutin Sonja Schuster in ihrer Praxis in Leibnitz beobachtet. „Betroffen sind vor allem junge Menschen, die viel Zeit in digitalen Räumen verbringen“, sagt die Expertin. Viele von ihnen leiden unter dem Selbstoptimierungszwang und dem Druck, sich immer nur von der besten Seite zeigen zu müssen. Aber auch Personen mit Beziehungsverlusten, belastenden Trennungen oder einem instabilen Selbstwert haben mit Dating-Burnout zu kämpfen.
Daneben macht das sogenannte Ghosting, der abrupte Kontaktabbruch ohne Erklärung, vielen Menschen zu schaffen. Die Folgen von Dating-Burnout: Der Spaß am Dating geht verloren, Selbstzweifel nehmen zu. Betroffene geraten zudem in Grübelschleifen, verlieren Neugier und Leichtigkeit, schlafen unruhiger und machen ihren Selbstwert zunehmend von Likes und Matches abhängig.
Selbstzweifel wachsen
Viele Menschen geben sich selbst die Schuld, wenn Beziehungen scheitern oder die Partnersuche nicht den erhofften Erfolg bringt. „Es ist leider ein Phänomen unserer Zeit“, sagt Schuster und erklärt: „Während man sich früher im Dorf oder im unmittelbaren Umfeld kennenlernte, ist Partnersuche heute global und digital.“ Das gehe oft auf Kosten echter Nähe und Verbindlichkeit – und verstärke Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit.
Schuster glaubt auch nicht, dass die Menschen grundsätzlich beziehungsunfähiger geworden sind. Im Gegenteil: „Alle sehnen sich nach Beziehungen, positiver Resonanz und echter Nähe.“ Verändert habe sich aber die Verbindlichkeit – einerseits durch Dating-Apps, andererseits durch eine breitere kulturelle Entwicklung. Zudem hätten viele „verlernt“, wie Kennenlernen eigentlich funktioniert. Die Schnelllebigkeit sei das Problem. „Ich höre von Fällen, wo schon beim dritten Date gefragt wird, ob man gemeinsam auf Urlaub fährt“, sagt Schuster.
Ihr Eindruck ist, dass die Leute verlernt haben, zu hinterfragen: Wo liegen meine natürlichen Grenzen? Was brauche ich? Was ist der Prozess des Kennenlernens?
Zurück ins Leben
Betroffenen, die am Dating-Burnout leiden, rät Schuster, Warnsignale bewusst wahrzunehmen, digitale Pausen einzulegen und am Selbstwertgefühl zu arbeiten – etwa durch Sport oder andere Hobbys, in denen man gut ist. Auch eine Psychotherapie könne helfen. Entscheidend sei zudem, Begegnungen wieder stärker in den Alltag zu verlagern – etwa über Vereine oder soziale Aktivitäten wie Wandern, Singen, Tanzen oder Fußball.
Denn sich langfristig zurückzuziehen und abzukapseln, hilft nicht – die Gedanken werden im Kopf schnell mit Grübeln gefüllt. Soziale Nähe im echten Leben sei wichtig, betont die Psychotherapeutin: „Einsamkeit ist eines der schlimmsten Gefühle für uns Menschen.“
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