"Slow Flowers": Blumen aus dem Gemüsegarten
Bio-Schnittblumen sind noch eine Rarität. Doch „Slow Flowers“ anzubauen, lohnt sich, besonders neben Salat und Radieschen.
Von Ingrid Greisenegger
Ringelblumen mit ihren langen Pfahlwurzeln lockern den Boden auf und verbessern so die Bodenstruktur. Sie vertreiben Schnecken und Fadenwürmer und locken Nützlinge wie die Honigbiene an.
Kapuzinerkresse als Märtyrer
Die Kapuzinerkresse ist im Gemüsebeet ein wahrer Märtyrer. Weil Schädlinge sich gerne auf ihr niederlassen, schützt ihre Anwesenheit andere Pflanzen vor dem Befall. Die Liste ließe sich noch länger fortsetzen mit der Erkenntnis, dass Blumen dem Gemüse helfen, aber auch umgekehrt. Zusammen im selben Beet sind sie nicht nur ein schöner Anblick, sondern auch schädlingsfrei.
Die City Farm, ein 4.000 m2 großer biozertifizierter Gemüsegarten im Augartenpark, führt mit gutem Grund nicht nur einander wohlgesinnte Partner zusammen, sondern startete im Vorjahr ein eigenes Floristikprojekt.
Ergänzen sich gut: Blumen und Gemüse wachsen auf der City Farm Augarten gemeinsam im Beet.
Auf einer Fläche von 26 Meter mal ein Meter legte Chefgärtnerin Birgit Passauer in einem Wiesenstück neben dem Glashaus ein eigenes Beet an – ganz ohne Gemüsepartner – um die Schnittblumen leichter ernten zu können.
"No Dig"-Methode
Der Wiesenstreifen wurde nach der „No Dig“-Methode („ohne Umgraben“) aufbereitet. Dafür hat sie Ende März eine Rolle ungebleichtes Kreppband ausgerollt, darauf eine 12 cm dicke Schicht Kompost ausgebracht und anschließend mit Rasenschnitt gemulcht, was die Unkrautbildung unterdrücken soll. Durch dieses für sie optimale Umfeld haben sich die Milliarden winziger bis kleiner Bodenbewohner, allen voran der Regenwurm, allmählich hindurch gefressen und es zu Humus umgebaut.
Die „No Dig“ oder „No Till“- Methode hat den Vorzug, den Boden besonders zu schonen, weil sie nur die Oberfläche behandelt. Das ist gut für die Bodenstruktur, für die Feuchtigkeit und fördert den Humusaufbau. Die Jungpflanzen wurden aus Biosaatgut, nach der Voranzucht im Gewächshaus, direkt ins Beet gesetzt. Birgit Passauer hat zunächst einmal 34 verschiedene Sorten Blumen angebaut, einjährige und mehrjährige Akelei, Krallenaster, Färberdistel sind dabei, heuer auch Ranunkel.
Vieles kommt aus dem Bauerngarten, der traditionell Blumen und Gemüse mischte. „Heute bevorzugt man zartere, pastelligere Farben als seinerzeit“, sagt die Gärtnerin, „man hat andere ästhetische Vorlieben.“ Das Beiwerk für ihre Sträuße findet sie überall im Garten: Brombeeranken, Hasellaub, Blütenstände von Dille und Fenchel. In jedem Strauß, den sie bindet, wird man immer die Jahreszeit erkennen können. Im Bild oben sind es die Boten des Sommers. Im Winter gibt es nur Trockenblumensträuße.
Im Winter macht Birgit Passauer Trockensträuße aus Samenständen von Schnittknoblauch.
©City Farm AugartenFür den Anbau saisonaler Bio-Blumen engagieren sich zunehmend bäuerliche Kleinbetriebe, die diese zusammen mit Gemüse, Kräutern und Obst direkt vermarkten. Pionierin, seit über 20 Jahren, ist hierin Margrit de Colle, die „Blumenlandwirtin“, mit ihrem Unternehmen „Vom Hügel“ in der Südoststeiermark.
Die saisonalen Gustostücke vom heimischen Acker, die in Floristikläden noch kaum vertreten sind, werden nicht teurer verkauft als weit gereiste konventionelle Ware, die meist mit hohem Pestizideinsatz und unter bei uns verbotenen Arbeitsbedingungen produziert werden.
Programm auf der City Farm Augarten
- Jetzt schon vormerken: 1. Mai 2026 - Das große Gartenfest
- Bio-Frühlings-Jungpflanzenmarkt
Samstag, 14.3.2026, 10 - 18 Uhr,
Sonntag, 15.3. 2026, 14 - 18 Uhr
- Bio-Schnittblumen und -Sträuße direkt aus der City Farm gibt es ab Ende April/Anfang Mai am Freitags-Gemüsestand in der Toreinfahrt
Mehr Informationen unter www.cityfarm.wien
Email: info@cityfarm.wien
Adresse: Obere Augartenstraße 1/8, 1020 Wien
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